Mittwoch, 24. Mai 2017

ARD-Berichterstattung stösst auf Kritik bei renommiertem US-amerikanischem Medieninstitut

 Die ARD hat es zu einer fragwürdigen Berühmtheit gebracht. Das renommierte "Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy" der "Harvard Kennedy School" in Cambridge, Massachusetts, USA hat eine Untersuchung der Medienberichte über die ersten hundert Tage der Präsidentschaft Donald Trumps veröffentlicht. Grundlage der Untersuchung war die Berichterstattung über Trumps Regierungstätigkeit basierend auf die drei Printmedien: The New York Times, The Wall Street Journal, and The Washington Post und den wichtigsten Nachrichtensendungen von vier US-Fernsehsendern, CBS Evening News, CNN’s The Situation Room, Fox’s Special Report, and NBC Nightly News. talkshows flossen nicht in die Untersuchung ein.

 Drei europäische Medien wurden ebenfalls mit einbezogen in die Untersuchung: Financial Times, BBC und die Berichterstattung der ARD.

 Die Untersuchung stellt fest, dass die US-Medien sich um die Frage, ob Trump grundsätzlich geeignet sei, Präsident der vereinigten Staaten zu sein, mehr oder weniger herumdrücken (worked around the edges of that issue). Die europäischen Journalisten waren in diesem Punkt mit Ausnahme der BBC, die einer Unparteilichkeitsregel unterliegt, welche eine solche Berichterstattung verbietet, weniger zurückhaltend. Europäischen Journalisten, machten aber wiederum ihre kritische Berichterstattung, so der Report, weniger an konkreten politischen Ereignissen, als vielmehr an der Frage, ob Donald Trump psychisch in der Lage sei, das Amt auszufüllen.

 Journalisten der ARD, Deutschlands öffentlich-rechtlicher Sendeanstalt, unterliegen nicht den selben, rigiden Regeln der BBC. 
"Trumps Eignung für die Präsidentschaft war das Leitmotiv der ARD",
schreibt das Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy.

 Im Januar, befasste sich ein Fünftel (20 Prozent) der Trump-Berichterstattung der ARD mit der charakterliche Eignung - oder eben die Nicht-Eignung Trumps. Beim Thema der Berichterstattung im "Ersten" blieb sich die ARD auch im Februar treu.  18 Prozent der Trump-Berichterstattung befassten sich nicht etwa mit Berichten über konkrete politische Ereignisse oder Handlungen des Präsidenten sondern beschäftigten sich abermals mit Trumps persönlicher Eignung für das Amt.

 Im März und im April liess dann das Interesse der ARD für Trump etwas nach:
"aber es belief sich dennoch auf etwa 10 Prozent der ARD-Berichterstattung. Sogar diese reduzierte Anzahl überstieg das Niveau jedes der, von uns untersuchten U.S.-Medien in beiden Monaten",
schreibt das Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy, und fährt fort:
"Und die ARD Journalisten waren eindeutig in ihrem Urteil - 98 Prozent ihrer Auswertungen von Trump's Eignung für den Job des Präsidenten der USA waren negativ, nur 2 Prozent waren positiv",
zeigen sich die Wissenschaftler hoch erstaunt. Die ARD lag mit 98% negativer Berichterstattung weit aller anderen Medien, auch denen der in den USA erscheinenden Publikationen. Die Grafik unten zeigt die Tendenzen der Berichterstattung über Trump in den ersten 100 Tagen seiner Regentschaft in den untersuchten Medien.

 Tendenz der Trump-Berichterstattung in den Presse-Publikationen
  Die Untersuchung des "Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy" fördert eine andere erschreckende Wahrheit über die innere Verfasstheit unserer Medien zu Tage. Während die Bewertungen Trumps in allen beobachteten Medien im Vergleich zu den Bewertungen von Fox News weit auseinander gingen und erheblich kritischer waren als bei Fox News, war man sich in der positiven Bewertung des völkerrechtswidrigen Raketenangriffs der USA auf die syrische Luftwaffenbasis im rauschenden Beifall einig. Fox News bewertete den Angriff zu 80% positiv, die restlichen Medien, einschliesslich der ARD zu 79%.

 Diese Tatsache lässt nur einen Schluss zu: Trump muss nur Bomben werfen, Krieg führen, das Völkerrecht brechen und Menschen umbringen, schon sind die Wächter von Demokratie und Freiheit einhellig auf seiner Seite.

 Abschliessend stellt das Institut fest:
"Unsere Analyse der Berichterstattung über die ersten 100 Tage von Trumps Regierungszeit hat ergeben, dass die Presse mit Ausnahme der gerichtlich angefochtenen Einwanderungsverordnung, nur minimal über Trumps Präsidentenverfügungen berichtete. Er hat eine große Anzahl von ihnen herausgegeben, die alles von der Finanzregulierung bis zum Klimawandel abdeckten. Gemeinsam auf diese Verfügungen, die über die Einwanderung einmal beiseite gelassen, entfielen weniger als 1 Prozent der Trump-Berichterstattung, und selten haen die Medien darüber berichtet, wie eine Präsidentenanweisung umgesetzt wurde."
Die Macher der Mainstream-Medien bekommen von den Wissenschaftler harte Kritik ins Stammbuch geschrieben:
 "Journalisten würden auch gut daran tun, weniger Zeit in Washington zu verbringen und mehr Zeit an Orten, wo die Politik das Leben der Menschen beeinflusst. Wenn sie dies während der Präsidentschaftskampagne getan hätten, hätten sie nicht verpasst, was den Sieg Trumps zu Grunde liegt - das Verblassen des amerikanischen Traums für Millionen von einfachen Menschen."
 Und es gibt einen Ratschlag für die Journalisten, wie sie ihre arg ramponierte Glaubwürdigkeit in der breiten Masse der Bevölkerung wiederherstellen könnten, die abgesehen von der Örtlichkeit auch für die ARD und die gesamte deutsche Presselandschaft ihre Gültigkeit hat:
"Journalisten konzentrieren sich auf die Macht-Spielchen in Washington - wer ist gerade oben und wer ist unten, wer ist immer besser als andere, wer kann eine faszinierende Geschichte liefern. Am Ende des Tages ist das nur interessant für Polit-Junkies. Solch eine Berichterstattung ist weit so davon entfernt vom Leben der US-Bürger, um sie zu lehren, dass das politische System nicht für sie da ist oder auch nur für sie spricht."


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Mittwoch, 17. Mai 2017

Wie die europäischen Eliten die französischen Wähler betrogen


„Mönchlein, Mönchlein du gehst einen schweren Gang!“ So sagte einst Georg von Frundsberg zu Martin Luther vor dessen Auftritt auf dem Reichstag zu Worms 1521. Das Gleiche möchte man dem neu gewählten Staatspräsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron zurufen.


  Eben noch als letzte Bastion, oder letzte Hoffnung Europas vor der rechtsradikalen Präsidentschaftskandidatin des Front National Marine Le Pen hofiert und gefeiert gehen die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und ihr Finanzminister Schäuble, sowie der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker auf deutliche Distanz zu Emmanuel Macron. Jetzt, da die Schlacht geschlagen, Macron über die mit einem Frexit, also einem Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union, drohende Marine Le Pen bei der Stichwahl am letzten Sonntag obsiegt hat, scheint man in Berlin und Brüssel der Meinung zu sein man könne mit „Business as usual“ in Europa weiter machen.


  Während Finanzminister Schäuble es, laut Tagesspiegel, rundheraus ablehnte Macron zum Sieg zu gratulieren:

Warum auch? Er hätte ihn ja gewählt, jedenfalls hat er Macron den Franzosen schon vor Wochen empfohlen. Weshalb also nach dem Erfolg noch viel hinzufügen“,

äusserte sich Merkel bereits deutlich ablehnend gegenüber Pariser Wünschen nach einer Lockerung der deutschen Austeritäts- und Sparpolitik:

Ich möchte helfen, dass in Frankreich auch vor allem die Arbeitslosigkeit sinkt. Ich glaube, dass es bei der Frage, ob mehr Arbeitsplätze entstehen können, zumindest um sehr viel mehr geht als nur um die Frage, wie viel Geld habe ich für öffentliche Investitionen.“

 Und sie fügte laut „T-Online“ hinzu:

Der neue französische Präsident Emmanuel Macron habe selbst betont, dass es vieler Reformen in Frankreich selbst bedürfe, so Merkel. Er habe sich auch zum EU-Stabilitätspakt bekannt, der eine Reduzierung des französischen Haushaltsdefizits vorsieht. Deutsche Unterstützung könne französische Politik also nicht ersetzen, warnte die CDU-Vorsitzende.“

Der Tagesspiegel kolportierte zusätzliche gleich eine Forderung Merkels an Macron:

Was Frankreich braucht, das sind Ergebnisse.

... Und zwar bei der Wirtschaftskraft, der Arbeitslosigkeit und der Integration. Die Bundesregierung sei immer bereit zur Unterstützung. Aber diese könne französische Politik nicht ersetzen.“

In die gleiche Kerbe schlug der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker. Das Handelsblatt zeigte Juncker in einem kurzen Filmspot anlässlich der Vorstellung des neuen Buches von Aussenminister Gabriel:

Die Franzosen geben zu viel Geld aus. Und geben Geld an der falschen Stelle aus. Die Franzosen bringen zwischen 53 5 und 57 % ihres Bruttosozialproduktes auf, um ihre öffentlichen Haushalte zu bedienen. Bei einem relativ hohem Schuldenstand kann das auf Dauer nicht gutgehen.“


 Was hatte Macron, eben noch Hoffnungsträger, getan, dass die Meinungsführer in Europa dazu veranlasste ihm, noch nicht einmal als Präsident Frankreichs vereidigt, kräftig auf die Finger zu klopfen, oder besser gesagt, auf's Maul zu hauen?


  Macron hatte sich erdreistet, seine Vorstellungen von der Zukunft Frankreichs und der EU zu äussern. Diese Vorstellungen enthielten ausser den üblichen Gemeinheiten gegenüber den Arbeitnehmern, wie eingeschränkter Kündigungsschutz, flexiblere Arbeitszeiten, Lohnverzicht, Rentenkürzungen auch Forderungen für eine Weiterentwicklung der EU mit einem europäischen Finanzminister, einem gemeinsamen Haushalt der Eurozone und für gemeinsame Anleihen der Euroländer (Eurobonds), bei denen dann nicht nur Deutschland von niedrigen Zinsen profitieren würde sondern auch wirtschaftlich schwächere Länder wie Italien, Spanien oder Griechenland.


 Aber Merkel und Co scheinen nicht gewillt zu sein die deutsche Hegemonial-Politik in Europa zu überdenken. Dabei gibt es dafür durchaus objektiv gute Gründe.


 Die Wirtschaft in der EU und besonders in der Eurozone ist in den letzten Jahren in eine gefährliche Schieflage geraten. Während Deutschland immer stärker wird, fallen Länder wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien, die sogenannten GIPS-Staaten immer weiter zurück. Aber nicht nur die GIPS-Staaten haben unter der Wirtschaftskraft Deutschlands zu leiden, auch Frankreich gerät immer stärker in einen Abwärtssog. Der Überschuss der deutschen Handelsbilanz, also der Saldo zwischen deutschen Warenein- und -ausfuhren, betrug im letzten Jahr 252 Milliarden Euro. Davon wurde ein Großteil in der EU generiert.

  Noch größer wird der deutsche Überschuss, betrachtet man die gesamte Leistungsbilanz, in die ausser der Handel mit Waren auch Dienstleistungen, Primäreinkommen und Sekundäreinkommen mitgerechnet werden. Unter Primäreinkommen versteht man z. B. Zins- und Dividendenzahlungen, Sekundäreinkommen sind beispielsweise Überweisungen hier beschäftigter Ausländer in ihre Heimatländer. Der Überschuss der Leistungsbilanz in 2016 betrug 261,3 Mrd. Euro. Zusammengerechnet von Januar 1956 bis zum Februar 2017 beträgt der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 2.451 Mrd. Euro. (Quelle: Querschüsse.de) Wer sich nun stolz an die Brust schlägt und glaubt so ein Ergebnis sei überaus positiv, der täuscht sich gewaltig. Denn des einen Guthaben sind des anderen Schulden und Wirtschaft drängt immer auf Ausgleich. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass es nicht bis ans Ende aller Tage so weitergehen kann. Letzten Endes ist der Leistungsbilanzüberschuss nur eine Zahl. Werden unsere Partner eines Tages zahlungsunfähig, so bleibt davon nichts übrig.


  Woher aber kommt dieser gewaltige Leistungsbilanzüberschuss? Gern wird argumentiert, die Produkte deutscher Hersteller seien so unwiderstehlich gut, dass die Welt gar nicht anders könne, als deutsche Waren zu kaufen. Daran mag sicher einiges richtig sein, besonders bei den hochwertigen Investitionsgütern, wie Maschinen oder ähnlichem. Entscheidend aber ist die seit nunmehr über einem Jahrzehnt anhaltende Lohnenthaltsamkeit der deutschen Arbeitnehmer.


  Während die Arbeitsproduktivität in Deutschland in den Jahren 1992 bis Ende 2016 um 39% gestiegen ist, stiegen die Reallöhne im gleichen Zeitraum nur um 6,2%. Das heisst deutsche Produkte wurden im Ausland immer billiger. Gleichzeitig wurde die Binnennachfrage, also auch der Import von Gütern durch die Lohnentwicklung gebremst. Wir kauften also im gleichen Zeitraum, in dem unsere Produkte durch relativ sinkende Preise in den Partnerländern immer häufiger gekauft wurden, immer weniger Produkte dieser Länder ein. Die Unternehmen in diesen Ländern konnten immer weniger ihrer Produkte verkaufen, sie mussten ihre Produktion herunterfahren oder gar ganz schliessen und ihre Arbeitnehmer entlassen. Die Arbeitslosigkeit nahm zu und dadurch wiederum der Konsum. Eine endlose Schraube abwärts.


  Staaten, die über eine eigene Währung verfügen haben in Fällen, in denen ihre Wirtschaft schwächelt, die Möglichkeit, ihre Währung abzuwerten, dadurch verteuern sich die Importe und eigene Exporte werden im Ausland billiger, sodaß sie vermehrt nachgefragt werden. In einer Währungsunion wie der Euro-Gruppe ist diese Möglichkeit nicht gegeben. Die einzige Möglichkeit zur Reduzierung des Aussenhandelsdefizit, in den Eurostaaten ist die Reduzierung der Löhne, was ebenfalls die eigenen Waren im Ausland billiger macht und die Menschen im Inland, durch weniger Geld in der Tasche zu Konsumverzicht zwingt.

  Wenn aber, wie im Falle Deutschlands, der wirtschaftlich bereits überlegene Partner selbst die Produktionskosten durch niedrige Löhne senkt, so entsteht auch hier eine, sich gegenseitig beschleunigende Abwärtsbewegung zu Lasten der Bevölkerungen. In Deutschland wurden durch die, von der Schröder-Regierung eingeführten Arbeitsmarkt- und Sozialregelungen, Stichwort Hartz IV, Anfang des Jahrtausends, die Reallöhne beginnend mit dem Jahr 2004 unter das Niveau von 1991 gesenkt. Erst acht Jahre später, 2012, erreichten diese wieder die gleiche Höhe wie 21 Jahre zuvor, also 1991. Durch diese Reallohnnivellierung auf Kosten der deutschen Arbeitnehmer, hat die größte Volkswirtschaft der Eurozone und der EU die anderen Staaten der Gemeinschaft unter enormen wirtschaftlichen Druck gesetzt. Erst 2012, erreichten diese wieder die gleiche Höhe wie 21 Jahre zuvor, 1991.




Entwicklung der Lohnstückkosten jährlich 2000 - 2016
Grafik: Österreichische Wirtschaftskammer

  Wie die Grafik oben zeigt, stiegen die Lohnstückkosten in Deutschland in der Zeit von 2000 bis 2016 um ca. 1% jährlich in Frankreich um 1,7%, und in der Eurozone um 1,7%. 
 Die Tabelle unten zeigt einige Wirtschaftsdaten einiger ausgewählter Länder der Eurozone. Deutschland ist das bevölkerungsstärkste Land mit dem weitaus höchstem Bruttoinlandsprodukt, nicht nur insgesamt, sonder was in diesem Zusammenhang wesentlich aussagekräftiger ist, auch dem höchstem BIP pro Kopf. Auch das jährliche Wachstum der Wirtschaft ist, abgesehen von Polen, dessen Wirtschaft längst noch nicht so entwickelt ist, wie die deutsche, das höchste der betrachtetenLänder. Deutschland hat in 2016 mit 4,1% auch die geringste Arbeitslosenquote, die in Frankreich 10% betrug in Italien 11,5% und in Spanien gar 20%. Der Leistungsbilanzsaldo lag 2017 bei plus 8,7% im Gegensatz zu Frankreich, dass sogar einen Minussaldo von 2,3% auswies.
 Der Haushaltssaldo der öffentlichen Kassen war in Deutschland mit 0,7%, 04% und 0,4% in den letzten Jahren durchgehend positiv, während alle anderen Staaten negative Haushalte auswiesen, deren Tendenz auch noch zunehmend waren. Daraus folgert, das die Staatsverschuldung in Deutschland bei einem schon, im Vergleich zu den europäischen Nachbarn, niedrigen Level von 71,2 % in 2015, auf 65, 7% in 2017 sank.
 In Anbetracht dieser überaus positiven Zahlen, ist es geradezu schon eine Provokation gegenüber den europäischen Partnern und eine große Bürde für die nachkommenden Generationen wenn Deutschland ausser den Krisenländern Portugal Griechenland und Italien die niedrigste Investitionsquote aufweist.
 Aus allen diesen Zahlen folgert sich eine Inflationsrate weit unterhalb der in den Maastrich-Verträgen angestrebten 2%. Die Europäische Zentralbank versucht seit Jahren vergeblich durch eine gewaltige Geldmengenvermehrung und einer beispiellosen Niedrigzinspolitik, die Inflation anzutreiben. Sparer, die heute praktisch für ihren Konsumverzicht und ihre Vorsorge bestraft werden, sollten nicht die Schuld bei den Banken und Sparkassen suchen, sondern bei der deutschen Bundesregierung und dem, ach so wundervoll wirtschaftendem, Finanzminister Schäuble.

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Deutschland Frankreich Italien Spanien Griechenland Portugal Belgien Polen
Fläche in qkm
357.375 643.801 301.340 505.370 131.957 92.090 30.528 312.685
Einwohner in Mio.
82,2 64,6 61,2 46,4 10,8 10,4 11,3 38
Einwohner in qkm
228 100,3 203,1 91,8 81,8 112,9 370,2 121,5
BIP in Mrd. EURO 2014







2015 3.033 2.185 1.636 1.081 176 179 409 428
2016 3.139 2.229 1.659 1.122 175 185 421 432
2017 3.237 2.280 1.681 1.156 182 191 433 456
BIP pro Kopf in EURO 2014







2015 37.100 33.933 26.916 23.288 16.211 17.328 36.525 11.123
2016 38.000 34.516 27.134 24.148 16.192 17.912 37.163 11.248
2017 38.700 35.142 27.400 25.126 16.811 18.591 37.839 11.861
Wirtschaftswachstum in Prozent 2014 1,5%


0,4%

3,3%
2015 1,6% 1,3% 0,7% 3,2% -0,2% 1,6% 1,5% 3,6%
2016 1,8% 1,3% 0,7% 3,2% -0,3% 0,9% 1,2% 3,7%
2017 1,7% 1,4% 0,9% 2,3% 2,7% 1,2% 1,3% 3,6%
Inflationsrate 2014 0,9%






2015 0,3% 0,1% 0,0% -0,6% -1,1% 0,5% 0,6% -0,7%
2016 0,3% 0,3% 1,2% -0,1% 0,1% 0,7% 1,7% -0,2%
2017
1,3% 1,4% 1,4% 1,1% 1,2% 1,7% 1,3%
Arbeitslosenquote 2014 5,0%






2015 4,6% 10,4%
22,1% 24,9% 11,6% 8,5% 7,5%
2016 4,1% 10,0% 11,5% 20,0% 23,5% 11,1% 8,0% 6,2%
2017
9,9% 11,4% 18,1% 22,2% 10,0% 7,8% 5,6%
Durchschnittslohn, brutto in Euro, Jahresdurchschnitt 2014 3.527
2.067 1.881 1.059 1.093 3.330 904
2015 3.612 3.034 2.123 1.894 1.022 1.130 3.333 932
2016
3.072

986
3.356
2017







Haushaltssaldo in Prozent des BIP 2014







2015 0,7% -3,5%
-5,1% -7,5% -4,4% -2,5% -2,6%
2016 0,4% -3,3% -2,4% -4,6% -2,5% -2,7% -3,0% -2,4%
2017 0,4% -2,9% -2,4% -3,8% -1,0% -2,2% -2,3% -3,0%
Leistungsbilanzsaldo in Prozent des BIP 2014







2015 8,5% -2,0%
1,3% 0,0% -0,3% 0,2% 0,9%
2016 9,0% -2,1% 2,8% 1,6% 0,0% 0,5% 0,6% 0,8%
2017 8,7% -2,3% 2,5% 1,7% 0,2% 0,8% 0,6% 0,2%
Investitionen, brutto in Prozent des BIP, öffentlich und privat 2014 19,8%






2015 19,2% 22,4% 16,8% 20,7% 9,8% 15,2% 22,6% 20,5%
2016 19,3% 22,4% 16,6% 21,0% 10,3% 15,0% 23,7% 20,3%
2017 19,4% 22,2% 16,7% 21,2% 11,7% 15,4% 24,1% 20,9%
Staatsverschuldung, brutto in Prozent des BIP 2014







2015 71,2% 96,2%
99,8% 177,4% 129,0% 105,8% 51,1%
2016 68,1% 96,4% 133,0% 99,5% 181,6% 130,3% 107,0% 53,4%
2017 65,7% 96,8% 133,0% 99,9% 179,1% 129,5% 107,1% 55,0%
   Will Macron sein ehrgeiziges Programm, Frankreich wieder wettbewerbsfähig zu machen, erfolgreich durchführen, braucht er die Hilfe Deutschlands. Nur wenn die deutsche Regierung im Gleichklang mit den europäischen Eliten damit aufhört, durch die rigide Aussenhandels- und Austeritätspolitik, die Arbeitslosigkeit in seine Nachbarländer zu exportieren, wenn es gelingt den Menschen in den südlichen Ländern der EU ihren Stolz und ihre Selbstachtung wieder zurückzugeben, wird es auf Dauer gelingen die Gefahren für die europäische Demokratie zu besiegen.
  Die europäischen Eliten scheinen dazu aber nicht bereit. Macron war nur ein Werkzeug in der Hand dieser Eliten. Er wurde gebraucht, missbraucht, um Marine Le Pen zu verhindern. Das ist gelungen, dank einer ungeheuren Medienschlacht. Nun kann es weitergehen wie bisher.
 Zu gegebenem Zeitpunkt wird man dann wieder ein Bauernopfer finden, wie Macron und die Realität durch eine allumfassende Propaganda in den Medien in ihr Gegenteil verkehren. Man wird uns den Untergang des Abendlandes prophezeien und man wird viel heisse Luft produzieren, mit der man uns einen strahlenden Helden vorgaukelt. Nach der Wahl lässt man dann wieder, wie es gerade zur Zeit geschieht, zischend die heisse Luft aus dem Popanz entweichen.
  Die Wähler Frankreichs, die besten Willens waren, Europa eine erneute Chance zu geben, die oft widerstrebend und gegen ihre eigene politische Überzeugung bereit waren einem ungeliebten Präsidentschaftskandidaten ihre Stimme zu geben, sind schändlich betrogen worden. Europas Eliten werden keiner Änderung ihrer menschenfeindlichen Politik vornehmen. Sie werden sich weiterhin an den ärmsten der Armen bereichern, sie werden uns weiterhin Lügen über die wirtschaftlichen Realitäten auftischen und sie werden uns weiterhin innere und äussere Bedrohungen vorgaukeln, damit wir ihnen bereitwillig auf den Leim gehen.

Donnerstag, 27. April 2017

Es ist die Sprache die entscheidet - Ein Vergleich der Berichte von ARD-Korrespondent Volcker Schwenck über Mossul und Aleppo


Es war wohl dem Umstand des Besuchs des deutschen Aussenministers Gabriel im Irak geschuldet, dass die ARD-Aktuell Redaktion das Land und den Kampf der Anti-IS-Koalition um die Stadt Mossul neu für sich entdeckte. Der Besuch Gabriels selbst gab nicht her. Denn der tat das, was deutsche Minister immer tun, wenn sie denn im Ausland unterwegs sind: Er erteilte gute Ratschläge und erzählte den „dummen“ Irakern, wie sie ihr Land zu regieren hätten und wie sie es wirtschaftlich organisieren müssten.
In der Tagesschau am 19. April zitierte Sabine Rau den Herrn Minister:
Gabriel hat hier deutlich gemacht, dass der Irak als große Ölnation für den Wiederaufbau mehr tun müsse. Deutschland könne weder mehr finanzielle, noch militärische Hilfe leisten. Trotz der erkennbaren Sorge, dass der Kampf gegen den Terror des IS hier noch lange nicht gewonnen ist.“
Eine Neuigkeit hatte der deutsche Aussenminister dann einen Tag später, am 20. April wiederum in der Tagesschau, zu verkünden. Tagesschausprecherin Judith Rakers zitierte Gabriel:
Die Peschmerga verteidigten mit ihrem Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
Der deutsche Michel hört und staunt. War er doch seitdem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002, den in Hinsicht auf den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, sich zunehmend widerspenstig und ablehnend gebenden Deutschen erklärt hatte:
Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“,
davon ausgegangen, dass er seine Sicherheit dem deutschen Engagement im Krieg in Afghanistan zu verdanken hat. Nun also nicht mehr der Afghanische Hindukusch, sondern das Gebiet der Kurden im Irak.

Mossul, das ist ein heisses Eisen im deutschen Fernsehen und den Titeln der schreibenden Zunft. Einerseits wird dort mit deutscher Hilfe der IS militärisch bekämpft, und wie man jetzt aus berufenem Mund und von allerhöchster Stelle erfahren konnte die „Sicherheit Deutschlands“ verteidigt – andererseits schiesst dort die Koalition auch nicht mit Wattebäuschen. Krieg, zumal wenn es sich dabei um einen, wie es immer so schön verharmlosend umschrieben wird, einen asymmetrischen Krieg, also in gutem Deutsch einen Krieg ohne Regeln, ohne Rücksicht auf die Genfer oder irgendeine andere Konvention, handelt. Ein Krieg also, in dem die Menschenrechte absolut keine Rolle spielen.

In so einem Krieg gibt es viele zivile Opfer: Tote, Flüchtlinge und Vertriebene. Es gibt Geiselnahmen. Kämpfer verstecken sich hinter Frauen und Kindern, nutzen Wohngebiete als Aufmarschgebiete und Wohnhäuser als Hinterhalt für Scharfschützen oder funktionieren Schulen und Krankenhäuser zu militärischen Stellungen oder Gefechtsständen um.

Tote Frauen und Kinder, von Bomben zerstörte Wohnviertel, bombardierte Schulen und Krankenhäuser – das, so hat man wohl in unseren Qualitätsmedien stillschweigend beschlossen, will man seinen Lesern, Zuschauern und Zuhörern nicht zumuten. Jedenfalls nicht, wenn die todbringenden Bomben aus den Schächten westlicher Flugzeuge fallen und wenn die Artilleriegranaten, die ganze Wohnviertel in Schutt und Asche legen, von westlichen Haubitzen abgeschossen wurden.

Nun reist aber der deutsche Aussenminister in den Irak. Und der erwartet, besonders zu einer Zeit, in der der Bundestagswahlkampf in Fahrt kommt, dass ihm in der veröffentlichten Meinung, seine ihm zustehende Sendezeit und seine Zeitungsspalten in gebührender Form, Länge und Breite zugestanden werden. Das wiederum bringt die Zunft der Hofberichterstatter in arge Bedrängnis. Berichtet man aus einem Land, dass seit 2003 immer wieder von den verschiedensten Heuschreckenschwärmen heimgesucht wird, angefangen bei den Freiheit und Demokratie bringenden US-Kriegern bis hin zu den Kopfabschneidern des Islamischen Staates, so kommt man nicht umhin auch über den Kampf um die Stadt Mossul zu berichten.
In der ARD erinnerte man sich in dieser heiklen Situation an jemanden, der - vulgär gesprochen – aus einem Furz einen Donnerschlag machen kann und aus einem Donnerschlag ein laues, wohl riechendes Lüftchen: Volker Schwenck, aus dem ARD-Studio in Kairo, musste seinen bequemen Aussichtsplatz, einen Balkon über den Dächern Kairos mit unmittelbarem Nilblick räumen und sich in den ungemütlichen, von schweren Krisen geschüttelten Irak begeben, und die Welt seines obersten Chefs, Dr. Kai Gniffke wieder zurechtrücken.

Schwenck, der des öfteren von seinem, oben erwähnten Balkon in Kairo aus, die Grausamkeit und abgrundtiefe Menschenverachtung des syrischen Präsidenten Assad und dessen in tiefer Männerfreundschaft verbundenen russischen Autokraten Putin, in die deutschen Wohnzimmer getragen hatte, ohne auch nur ansatzweise zu wissen wovon er sprach ( seine Zeugen waren ausnahmslos, von ihm Aktivisten benannte Kopfabschneider aus Aleppo). Dieser Mann war genau der richtige für die Aufgabe, den um nichts weniger grausam ausgetragenen Kampf um Mossul wie den um das syrische Aleppo im letzten Jahr, als ein heroisch ausgetragenes Ringen um die Freiheit und die dabei unvermeidlichen Schäden an Leib und Leben der Bevölkerung, bestenfalls als ein notwendiges unvermeidliches, höchst bedauerliches Übel zu schildern.

Das Erlebnis der Schwenckschen Bemühungen konnte die deutsche Öffentlichkeit am 19. April in der ARD-Tagesschau um 20:00 Uhr und später am Abend des gleichen Tages noch einmal in etwas abgeänderter Form und um einige Szenen erweitert, in den ARD-Tagesthemen um 22:15 bewundern.
Linda Zervakis moderiert an:
Seit einem halben Jahr versuchen irakische Streitkräfte die Stadt Mossul vollständig von der IS-Terrormiliz IS zurückzuerobern“,
und versorgt die Zuschauer mit ein paar unpräzisen Fakten:
Tausende sind durch die Kämpfe getötet worden, hunderttausende wurden in die Flucht getrieben.“
Genaues mag man der versammelten Fernsehgemeinde wohl nicht zumuten.

Die „taz“ veröffentlichte am 27. März ein Interview mit dem Direktor der britischen NGO „airways.org“, Cris Woods, indem dieser die Todesopfer durch Luftangriffe in Mossul benennt:
Im März haben wir mehr als 110 Fälle dokumentiert, in denen die Koalition Zivilisten getötet haben soll. Allein bis zum Wochenende (also bis zum 24. des Monats) sollen mindestens 1.300 Zivilisten durch die Koalition getötet worden sein“,
und er fügt hinzu, diese Daten seien
vergleichbar mit der Zahl der Opfer durch russische Aktionen.“
Nur für's Protokoll: Also die Opferzahlen in Mossul sind vergleichbar mit denen, die es im Kampf des „Schlächters“ Assad und seines Beschützers, dem „Gott-steh-uns-bei“ Putin gegen die Kopfabschneider in Aleppo gegeben hat!

Am 18 April veröffentlichte die „OCHA“, das „Amt für die Koordinierung Humanitärer Aufgaben“ der UN die neuesten Flüchtlingszahlen aus Mossul:
...Jetzt sind es bereits etwa 493.000 Menschen, die alles zurücklassen mussten“,
sagte die OCHA-Koordinatorin für den Irak Lise Grande und sie fügte hinzu, dass sich noch immer ca. 500.000 Menschen im vom IS kontrollierten Westen Mossuls befänden.

In der Form eines Kriegsberichterstatters aber mit dem getragenen Timbre eines professionellen Redners bei einer Trauerfeier beginnt Schwenck seinen Bericht:
Rauch über West-Mossul“,
um dann mit einem Heldenepos, vergleichbar mit denen der deutschen Wochenschauen in Weltkrieg zwei, fortzufahren:
Mühsam kämpfen sich die irakischen Sicherheitskräfte vor“,
bevor er uns die Mühsal und die Gefahr in der die edlen Recken sich befinden, mit wenigen präzisen Worten zu schildert:
Es ist ein Krieg der Scharfschützen geworden, ein Kampf um jedes Haus.“
aber der Sieg der Aufrechten ist nicht mehr fern.
Seit Ende Januar drängen Spezialeinheiten der Irakischen Armee und der Polizei die Terrormiliz IS immer weiter zurück.“
Und das freut uns, denn schliesslich wissen wir ja, zumindest seit unser Aussenminister uns diesen Umstand so plastisch und mit Hilfe der Tagesschau vor Augen geführt hat, dass der
...Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
sichert. Wie zur Bestätigung unseres neuen Gefühls von Sicherheit und Geborgenheit lässt Schwenck einen irakischen Polizisten zu uns sprechen:
Es ist schwierig in den engen Strassen sagt ein Polizist. Überall verschanzt sich der IS. Aber wir haben die Lage im Griff.“
Wir lehnen uns zurück und dämmern hinüber in einen entspannten und ruhigen Schlaf: „Lieb Vaterland magst ruhig sein“
Wie anders klang da noch unser Kriegsberichterstatter vor ziemlich genau vier Monaten. Diesmal hieß die belagerte Stadt Aleppo und die Guten waren nicht etwa wie bei Mossul die Belagerer, die Befreier, sondern die Guten waren die eingeschlossenen, die Kopfabschneider der Al-Nusra Front und ihre Spießgesellen, die Schwenck liebevoll „militärische Opposition“ oder auch einfach „Aktivisten“ nannte. Die Bösen waren der „Schlächter“ Assad und sein russischer Beschützer Putin.

In der Tagesschau vom 10. Dezember 2016 entrüstete sich der damalige US-amerikanische Aussenminister John Kerry:
Die rücksichtslosen Bombardierungen des Regimes, die gegen das Kriegsrecht verstossen und in vielen Fällen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind, müssen enden.“
Zuvor hatte Schwenck aus seinem Studio in Kairo über die Lage in Aleppo berichtet. Dieses Mal macht die Anmoderation aus der Zentrale in Hamburg Judith Rakers. Der Ton ist weit weniger kriegerisch als am 19. April. Der Ton gleicht eher den Wochenschauen kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges, als die Rote Armee auf Berlin vorrückte. Der Feind droht von aussen:
Im Krieg in Syrien rückt ein Sieg der Regierungstruppen im Kampf um Aleppo offenbar immer näher. Angesichts der heftigen Gefechte und Luftangriffe spitzt sich die Lage für die Menschen im Ostteil der Stadt weiter zu. Ihnen fehlt es an Trinkwasser Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Immer mehr Bewohner fliehen.“
Die Aufmerksamkeit wird dieses Mal nicht auf die handelnden Personen gelenkt auf die kämpfenden, die Zurückeroberer, sondern auf die Zivilbevölkerung, die den Krieg erleidet. Nicht die Zuversicht des kommenden Sieges ist Thema, sondern das Leid, das die Bevölkerung der Stadt zu ertragen hat. Die Sicht der Zuschauer ist eine völlig andere als die heute auf die Eroberung Mossuls, obwohl die Lage der Zivilbevölkerung in Mossul durchaus vergleichbar mit den Einwohnern Ost-Aleppos damals im Dezember 2016 ist.(s. Vergleichbarkeit der Opferzahlen)
Nahtlos übernimmt Volker Schwenck:
Heftige Bombenangriffe auf die Gebiete Ost-Aleppos in denen sich die bewaffnete Opposition noch halten kann.“
Anstatt die islamistischen Gruppen, an ihrer Spitze der Al-Quaida-Ableger, die Al Nusra-Front benutzt Schwenck die verharmlosende Umschreibung „bewaffnete Opposition“. Er suggeriert, ein paar, oppositionell zur Regierung Assads stehende Syrer ,hätten sich zu ihrem eigenen Schutz bewaffnet. Nicht einmal über eine Benutzung dieser Waffen gibt seine Umschreibung Auskunft. So entsteht das Bild einer wehrlosen, harmlosen Gruppe politisch Andersdenkender, die dazu noch von der Regierung und ihren Alliierten brutal bombardiert (heftige Bombenangriffe) werden. Ihre Ausrichtung so will Schwenck die Welt glauben machen, sei rein defensiv (noch halten kann). Er verschweigt, dass es die Islamisten waren, die 2012 Aleppo unter dem Gebrauch von schweren Waffen und der Anwendung roher Gewalt erobert und damit die Gewalt in die Stadt getragen haben.

Weiter berichtet Schwenck, dass nach russischen Angaben 20.000 Menschen aus Ost-Aleppo geflohen seien und 1.200, Schwenck nennt sie in Verkennung ihrer wahren Absichten und Handlungen „oppositionelle Kämpfer“ die Waffen niedergelegt hätten, bezweifelt diese Angaben aber indem er einwendet:
Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht“.
Und nun wird es peinlich für Schwenck, aber vor allen Dingen für ARD-Aktuell. Nun werden nämlich aus den Kopfabschneidern, den Mördern, Vergewaltigern und Geiselnehmern völlig friedfertige, unbewaffnete „Oppositionsaktivisten“, die noch dazu die Russen der Lüge bezichtigen und von Gräueltaten der Regierungstruppen zu berichten wissen:
Oppositionsaktivisten behaupten, nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden.“
Schwenck entblödet sich nicht, Terroristen die von den USA, wenn sie denn nicht gerade in Aleppo für die Freiheit der syrischen Bevölkerung kämpfen, sondern sich im Sudan, im Jemen oder in Afghanistan aufhalten, mithilfe von Drohnen mitsamt ihren Familien und völlig unbeteiligten, rein zufällig anwesenden, unschuldigen Menschen in ihre elementarsten Bestandteile zerbombt werden, als friedfertigen Aktivisten zu bezeichnen.

Wie anders doch seine Berichterstattung aus West-Mossul. Schwenck hat seinen bequemen Balkon in Kairo verlassen und besucht als embedded Journalist die vom IS befreiten Gebiete Mossuls. Das bedeutet allerdings nicht, dass seine Berichterstattung deswegen an Glaubwürdigkeit gewonnen hätte. Hat er doch von Kairo aus ausschliesslich Propagandamaterial der Kopfabschneider verwand, immer wieder tauchen in der oberen linken Ecke des Bildschirms das Zeichen Smart oder AMC auf.
Beide Institutionen werden überwiegend vom CFI finanziert. Das CFI ist eine dem französischen Aussenministerium unterstellte Kooperationsagentur und Medienbetreiber.

Frankreich ist aber nicht nur ein aktiver Kriegsteilnehmer. Es betrachtet das Syrien seit dem Sykes-Picot-Abkommen im Jahr 1916, dass das damalige türkische Reich zwischen Frankreich und Grossbritannien aufteilte als seine Einflusssphäre.

Vom AMC stammt auch das Bild des kleinen Omran Dacqneesh, dem kleinen staubbedeckten Jungen, der apathisch auf dem Sitz eines Rettungswagen sitzt. Das Bild wurde weltweit zum Sinnbild für das Grauen der Bombardierung Ost-Aleppos. Später stellte sich dann heraus, dass das Bild von dem Fotografen Mahmoud Raslan stammte, der sich auf einem anderen Bild fröhlich lachend mit Kämpfern der Islamistengruppe Harakat Nour al-Din al-Zenki zeigte, einer dieser Gruppen, die Schwenck zu „Oppositionsaktivisten“ macht, die kurz zuvor den 12-jährigen Jungen Abdullah Issa vor laufenden Kameras enthauptet hatten.

In Mossul zerrt Schwenck nun höchstpersönlich „Zeugen“ vor die Kamera, die ihr Sprüchlein aufzusagen haben:
Im Nachbarhaus hatten sich IS-Kämpfer versteckt, sagt er. Und wann immer die geschossen haben, hat die irakische Armee zurückgeschossen und dabei auch Zivilisten gefährdet. Aber das war das Kalkül der Dschihadisten.“
Eines fällt auf: Die irakische Armee schiesst nur, wenn zuvor der IS geschossen hat. Das Feuer der Armee hat zwar Zivilisten gefährdet, aber verantwortlich dafür war der IS, der ja nur in der Absicht geschossen hat, die irakische Armee zur Gegenwehr zu veranlassen, um eben dadurch die Zivilisten zu gefährden. Eine bestechende Logik. Es ist wie immer, wenn der freie Westen Menschenleben vernichtet. Alles geschieht nur aus dem Zwang der Selbstverteidigung heraus, ist keineswegs bösartig oder in kriegerischer Absicht, sondern nur zum Besten der hilf- und wehrlosen Bevölkerung..

In dieser Logik versteht sich auch wenn uns Schwenck aus Mossul von dem Zeugen berichten lässt:
Der IS habe ganze Familien entführt, als die irakischen Sicherheitskräfte sich näherten. Um zu fliehen mischten sich IS-Kämpfer unter Zivilisten berichtet dieser Mann. Wir haben uns versteckt und dann haben wir gehört wie der IS Menschen aus der Nachbarschaft als menschliche Schutzschilde mit sich genommen hat. Wer sich weigerte wurde erschossen oder sie haben sein Haus angezündet.“

In Aleppo dagegen durfte ein Islamist über die Anzahl der fliehenden Menschen noch völlig unbewiesen behaupten:
„ ...nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden“,
natürlich von Assads Schergen, wie die syrische Armee auch gerne in unseren Qualitätsmedien genannt wird.

Schwenck fühlt sich zu einem abschliessendem Fazit berufen. Es klingt fast wie ein Appell ist aber eher als Anklage des IS, gleichzeitig aber auch eine Verteidigung der Angreifer auf Mossul, eine vorauseilende Entschuldigung für die vielen tausend Toten und Vertrieben, die dieser Kampf noch unter der Zivilbevölkerung kosten wird:
Vierhunderttausend Menschen sitzen noch in der Altstadt fest, keine Chance der Gewalt zu entkommen. Der IS kann den Kampf um Mossul nicht mehr gewinnen, aber er kann noch viele Zivilisten mit in den Tod reissen.“
Gleiches hätte er auch im Dezember 2016 der Al-Nusra, dem IS, der Ahrar al-Sham und eben jener Harakat Nour al-Din al-Zenki, die den 12-jährigen Jungen vor laufenden Kameras köpfte, die Ost-Aleppo und seine Einwohner als Geiseln hielten, mit gleicher Berechtigung zurufen können, wie in diesen Tagen dem IS in Mossul.

Aber Schwenck argumentierte genau anders herum, in den Tagesthemen am 13. Dezember 2016:
Monatelang hat Machthaber Assad die bewaffnete Opposition in Aleppo belagert, ausgehungert und dann über Wochen bombardiert. Viertel um Viertel wurde erobert oder befreit, je nach Perspektive. Für die Zivilbevölkerung brachte der Kampf um Aleppo vor allem eines: Entsetzliches Leid.“
Über Monate verbreitet er Durchhalteparolen, so wie bereits am 02. August 2016 in den Tagesthemen. Russen und die Syrische Armee hatten damals gerade Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung aus dem belagerten Ostteil der Stadt eingerichtet, die aber von den Islamisten unter schweres Feuer genommen wurden, um eine Flucht der Menschen zu verhindern.

Schwenck beginnt mit einer dreisten Täuschung der Zuschauer:
Im Moment sehe man in den Rebellenvierteln vor allem Kämpfer der Freien Syrischen Armee kurz FSA. Abu Sharif hält Wache“,
schliesslich ist selbst dem vertrottelsten Zuschauer kein bärtiger Nusra-Kämpfer mit schwarzem Stirnband als Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit zu verkaufen. Und nachdem der Mann, den man extra für die deutschen Fernsehzuschauer mit einem Anstecker der Fahne der FSA am Kampfanzug ausgestattet hat, ausgiebig über die mangelnde Unterstützung des Westens klagt , darf er markige Durchhalteparolen ins Mikrofon sagen:
Wir werden weiterkämpfen bis zum Schluss. Wir stehen Seite an Seite mit den Zivilisten hier. Wir haben schon so lange der Belagerung und den Luftangriffen widerstanden.“
Schwenck wäre allerdings nicht Schwenck, wenn er nicht noch versuchte den Menschen vor den Fernsehern ein schlechtes Gewissen einzureden. Er wechselt wieder in die pastorale Intonation:
Rauch über Aleppo. – Die Menschen ducken sich in den giftigen Qualm und hoffen auf Schutz vor dem nächsten Angriff. - So ähnlich muss es wohl in der Hölle aussehen.“
Wer nun etwa meint, eine solch eindringliche Schilderung könne nur ein Augenzeuge des Geschehens vermitteln, der sieht sich getäuscht. Schwenck ist wieder einmal gar nicht vor Ort. Er lässt sich wieder einmal einen Film schicken von einem Kameramann, der den Dschihadisten angehört. Schwenck sitzt derweil in Kairo und dichtet einfach auf die Bilder, was ihm gerade so in den Sinn kommt. In der Anmoderation hatte Thomas Roth, damals noch als Anchorman bei den Tagesthemen in Amt und Würden, die Leistung Schwencks, „die Lage in der Stadt zu zeigen“, ohne auch nur annähernd zu wissen, was ihm da von den Kopfabschneidern untergejubelt wurde, in tiefer Ergriffenheit gewürdigt:
Kaum ein Journalist kann regelmässig aus Aleppo berichten, denn die Gefahr ist einfach zu groß. Unser Korrespondent schafft es trotzdem mithilfe der Bilder eines der Opposition nahestehenden Kameramanns , die Lage in der Stadt zu zeigen.“
Die Lage der Besatzer Ost-Aleppos war damals schon hoffnungslos. Sie waren eingezingelt, verfügten über keinerlei Luftabwehr und von Tag zu Tag wurden ihre militärischen Ressourcen knapper. Aber sie hatten ihre Geiseln. Zwischen 60.000 und 250.000 Zivilisten, die Zahlen gingen je nach Interessenlage der Berichterstatter weit auseinander, sollen sich zu dieser Zeit noch in Ost-Aleppo in der Gewalt der Terroristen befunden haben.

Aber Schwenck will zu diesem späten Zeitpunkt des Kampfes um Aleppo, am diesem 13. Dezember , da es nur noch wenige Tage dauern wird, bis die ganze Stadt wieder in den Händen der Regierung ist scheinbar nicht, dass die wehr- und schutzlosen Zivilisten Ost-Aleppo verlassen. Verbreitet er doch 1:1 die Propaganda der Geiselnehmer.

Einer dieser Terroristen spricht in seine Handykamera, während er sich selbst filmt, wie er durch eine menschenleere Straße Ost-Aleppos geht, links und recht in Trümmern liegende Ruinen:
Nach dem das Regime vorgedrungen ist, haben wir von Massakern gehört, sagt dieser Aktivist aus den Rebellenvierteln. Wir wissen nicht wieviele genau getötet wurden, weil der Kontakt zu all denen, die in Regime-Gebieten sind, der ist abgerissen.“
Der „Aktivist“ weiß nichts genaues. Ebenso wie Schwenck, der zitiert die UNO, die von „mindestens 82 Zivilisten“, berichtet, die Regierungssoldaten ermordet haben sollen, „darunter Frauen und Kinder.“
Das syrische Militär weise das zurück aber die Hinweise seien glaubhaft, die Namen bekannt, beruft sich Schwenck auf den Sprecher der UNO, Rupert Colville. Der Brite Colville, der sein Büro in Genf hat, ist auch nur auf hören-sagen angewiesen, weiss anscheinend auch nichts Genaues, denn auch er benutzt die vage Formulierung „haben sollen“. Eines weiss er allerdings genau:
Einige wurden erschossen als sie fliehen wollten. Andere wurden in ihren Häusern erschossen in denen sie Zuflucht gesucht hatten. Das ist eine alarmierende Entwicklung“.
Die Täter aber bleiben im dunklen, im wagen. Aber die Botschaft der Geiselnehmer an die Zivilisten in Ost-Aleppo ist klar: „Bleibt wo ihr seid, oder ihr seid tot!“ Volker Schwenck überbringt sie.