Samstag, 13. Januar 2018

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft, überall lauert der Russe

 Am 21. Dezember letzten Jahres wurde hier im Blog ein Post mit der Überschrift "Der Russe kommt" veröffentlicht. Thematisiert wurde der Alarmismus in der veröffentlichten Meinung in Deutschland, wenn es um Russland geht. Grundsätzlich ist erst einmal jede Bewegung Russlands, mag sie wirtschaftlicher diplomatischer oder gar militärischer Natur sein, eine Aggression gegen uns, die "Freie Welt".

 So verwundert es auch nicht sonders, wenn unsere Presse nicht nur Alarm schlägt wenn der Russe kommt, sondern auch dann, wenn er geht. So geschehen dieser Tage, als zwei russische Fregatten auf dem Weg von ihrem Einsatz im Mittelmeer vor Syrien zurück in die Heimat im Nordmeer, den gegebenen Weg durch den Ärmelkanal nahmen.

 Am 9. Januar meldete "Die Welt":
"Eskorte im Ärmelkanal - Briten fangen russische Kriegsschiffe ab",
und "Focus" dramatisierte noch etwas mehr und machte schon in der Überschrift den Aggressor dingfest:
"Auf dem Weg nach Syrien - Nato ist alarmiert: Putin schickt Kriegsschiffe durch Ärmelkanal - Royal Navy eskortiert sie".
 Der Russe war dieses Mal also nicht mit Panzern und Bombern auf dem Weg Richtung westliche Zivilation unterwegs, sondern auf dem Wasser. Vor lauter Aufregung geriet den Redakteuren des "Focus" da schon mal die Marschrichtung durcheinander. Gewohnt, den Russen nur in einer Richtung zu verorten, nämlich der nach vorn, musste dieser natürlich auch im Ärmelkanal auf Kaperfahrt unterwegs sein. Und wenn er nicht gerade das Baltikum bedroht, sich die Krim unter den Nagel reisst oder in der Ostukraine die aufrechten Demokraten in Kiew bedroht, ja dann kann er nur auf der Reise nach Syrien sein, dort wo er die aufrechten, demokratischen, freiheitlichen Rebellen im Verein mit dem Kindermörder und Menschenschlächter Assad bekämpft.

 Befand der Russe sich noch laut Überschrift "Auf dem Weg nach Syrien", so meldete "Focus" im Text, "Her Majesty Ship Westminster" habe
"die beiden Fregatten sowie zwei Versorgungsschiffe der russischen Marine durch den Ärmelkanal Richtung Nordsee",
escortiert. Wohin denn nun? Wir sind verwirrt und suchen nach einer Erklärung. Entweder, so scheint's hatten die Kommandanten des russischen Verbandes dem Wodka etwas zu sehr zugesprochen, sodass sie Syrien etwa dort vermuteten, wo auf der uns bekannten Weltkarte Dänemark, Norwegen und das von den Russen anvisierte Skagerrak liegen, oder es lag wie vermuten läßt, an der übermässigen Menge Schaum vorm Mund der Focus Redakteure, das die Himmelsrichtungen ein wenig durcheinander gerieten.

 Sei's drum, nimmt man den Artikel in der "Welt" zu Hilfe, auf den der "Focus" sich bezieht, so scheint es wohl so gewesen zu sein, dass die zwei russischen Fregatten und die zwei Versorgungsschiffe aus dem Mittelmeer, dem Seegebiet vor Syrien auf der Heinmreise Richtung Ostsee waren. Und da ist nun einmal, schon seit altersher, der Weg durch den Ärmelkanal der nächste.

 Es darf also angenommen werden, dass weder Putin noch sonst ein Finsterling in Moskau den Kommandanten befohlen hat, die Briten zu ärgern, oder gar mit zwei Fregatten und zwei Versorgern die britische Insel, wie einst die Krim, im Handstreich zu nehmen. Wahrscheinlicher ist da schon, dass der Russe nach mehrmonatigem Aufenthalt im Mittelmeer so schnell wie möglich heim zu Frau und Kindern wollte.

 Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson aber drohte umgehend den heimwehkranken Russen mit einem veritablem Seekrieg:
 "Wir werden nicht zögern, unsere Gewässer zu verteidigen. Großbritannien lässt sich nicht einschüchtern, wenn es darum geht, unser Land, unser Volk und unsere nationalen Interessen zu verteidigen."
 Den britischen Politikern scheint langweilig zu sein, seit sie im Herbst letzten Jahres in Folge einer in der Öffentlichkeit aufgetauchte Liste von Politikern denen sexuelle Übergriffe in Parlament und Regierung vorgeworfen wurde, einer scheinbar heiss geliebten Tätigkeit, dem Grabschen und Fummeln abschwören mussten. "Die Zeit" meldete damals:
"Die britische Premierministerin Theresa May stellte am Freitagabend einen überarbeiteten Verhaltenskodex für konservative Politiker vor. Unter anderem soll eine Beschwerde-Hotline Opfern von sexuellen Übergriffen eine Anlaufstelle bieten. In einem Brief an Parlamentssprecher John Bercow forderte die Premierministerin gleichzeitig parteiübergreifende Mechanismen, um Belästigungsvorwürfen nachzugehen."
 Eines der ersten Opfer der frisch erwachten Tugendhaftigkeit unter den britischen Politikern war Williamsons Vorgänger im Amt des britischen Verteidigungsministers, Michael Fallon. Da es nun per Dekret britischen Verteidigungsministern verboten ist, weiblichen Journalistinnen ans Knie zu greifen, musste sich Williamson eine andere Art der Beschäftigung suchen. Dabei scheint ihn das nun überschüssige Testosteron dazu verleitet zu haben, einer anderen sehr beliebten Tätigkeit britischer Machos nachzugehen, dem Kriegspielen. Anders ist der obige Ausbruch nicht zu erklären.

 Befanden sich die Russen doch in quasi internationalen Gewässern. Das "Internationale Übereinkommen über das Küstenmeer und die Anschlusszone" von 1958 besagt in "Abschnitt III Recht der friedlichen Durchfahrt Unterabschnitt A Regeln für alle Schiffe" in Artikel 14:
"1. Vorbehaltlich der Bestimmungen dieser Artikel geniessen die Schiffe aller Staaten, ob Küsten- oder Binnenstaaten, das Recht der friedlichen Durchfahrt durch das Küstenmeer.
2. Als Durchfahrt gilt die Fahrt durch das Küstenmeer zum Zweck, es entweder ohne Berührung der inneren Gewässer zu durchqueren oder in die inneren Gewässer einzulaufen oder von den inneren Gewässern in die Hohe See auszulaufen.
3. Die Durchfahrt schliesst das Recht zum Stoppen und Ankern ein, jedoch nur insoweit, als dies zum normalen Schiffsverkehr gehört oder infolge höherer Gewalt oder Seenot erforderlich wird.
4. Die Durchfahrt gilt als friedlich, solange sie nicht den Frieden, die Ordnung oder die Sicherheit des Küstenstaates beeinträchtigt. Die Durchfahrt hat gemäss diesen Artikeln und den anderen Regeln des Völkerrechts zu erfolgen.
5. Die Durchfahrt fremder Fischereifahrzeuge gilt nicht als friedlich, wenn sie die Gesetze und Vorschriften nicht beachtet, die der Küstenstaat erlassen und veröffentlichen kann, um diesen Fahrzeugen das Fischen im Küstenmeer zu verbieten.
6. Unterseeboote haben über Wasser zu fahren und ihre Flagge zu zeigen."
In Artikel 5 wird in Absatz 1 ergänzt:
"1. Der Küstenstaat darf die friedliche Durchfahrt durch das Küstenmeer nicht behindern." 
und Absatz 4 stellt ausdrücklich für einen Fall wie den der russischen Schiffe im Ärmelkanal bindend fest:
"4. Die friedliche Durchfahrt fremder Schiffe durch Meerengen, die der internationalen Schifffahrt zwischen einem Teil der Hohen See und einem anderen Teil derselben oder dem Küstenmeer eines fremden Staates dienen, darf auch vorübergehend nicht verboten werden."
"Unterabschnitt D Regeln für Kriegsschiffe" besteht nur aus einem Artikel, dem Artikel 23, in dem es heisst:
"Beachtet ein Kriegsschiff die Vorschriften des Küstenstaates über die Durchfahrt durch das Küstenmeer nicht und missachtet es die Aufforderung, sich diesen Vorschriften zu fügen, so kann der Küstenstaat das Kriegsschiff auffordern, das Küstenmeer zu verlassen." 
 Also selbst in dem Fall, dass die Russen sich nicht an geltende Regeln gehalten haben sollten, wovon in keinem Bericht die Rede ist, sieht das "Internationale Übereinkommen über das Küstenmeer und die Anschlusszone" nicht die Anwendung von Gewalt vor, sondern spricht nur von "auffordern, das Küstenmeer zu verlassen".

 Weshalb nun vier russische Kriegsschiffe, die nichts weiter taten, als ihr, ihnen international verbrieftes Recht auf Durchfahrt durch den Ärmelkanal wahrzunehmen, den britischen Verteidigungsminister dazu veranlassten Großbritannien und somit das gesamte Abendland am Rand des Untergangs zu wähnen und schon einmal profilaktisch seine Landsleute angedenk Churchills Rede vom Mai 1940 mit einer weiteren "Blut, Schweiß und Tränen" Rede darauf einzustimmen "unser Land, unser Volk und unsere nationalen Interessen zu verteidigen", kann eigentlich nur auf überschüssiges Testosteron oder den kühl kalkulierten Versuch Ihrer Majestät Untertanen noch mehr Geld für weitere Ihrer Majestät Kriegsschiffe aus der Tasche zu ziehen.

 Wer will schon hintanstehen, wenn die slawischen Horden, ihre Pferde in der sibirischen Steppe zurücklassend nun mit zwei Fregatten und zwei Versorgungsschiffen die britische Seefestung zu stürmen drohen?

 Eine maritim bestimmte Weltsicht, die den Redakteuren der "Welt wohl verlorenging nachdem es sie aus der Hafen- und Hansestadt 1975 ins rheinische Bonn und von da 1993 in die deutsche Hauptstadt Berlin, ins sandige Brandenburg verschlagen hatte. Denn das Blatt fragt:
"Was will Russland im Ärmelkanal"?
Einmal abgesehem von der schlampigen Formulierung: Russland im Ärmelkanal, vier Schiffe sind nicht Russland, auch wenn es für einige sehr griffig, weil bedrohlich wirkt, ist der Text, der sich daran anschließt in seiner Realitätsferne verleumderisch und jeder Logik entbehrend - journalistischer Trash. Aber irgendwie müssen die Autoren der "Welt" wohl bemerkt haben, dass das was sie zu bieten haben - eine Routineangelegenheit im Ärmelkanal, ein Testosteron gesteuerter britischer Verteidigungsminister, vier russische Kriegsschiffe voller, nach langer Zeit sich sehnsüchtig in die Heimat zurückwünschender Seeleute - für eine Geschichte die bei den Deutschen Angst und Schrecken vor den slawischen Horden zu verbreiten, etwas zu wenig "Fleisch" hat.

 Also versucht "Die Welt" sichtlich bemüht eine Brücke zu bauen zu einer weiteren schweren Bedrohung des Friedens, der Demokratie und der Freiheit durch russische Aggression und Hinterhältigkeit:
"Hintergrund der Truppenbewegungen könnten Spionageaktivitäten sein."
Dumm nur, dass die Autoren ein paar Sätze zuvor etwas ganz anderes geschrieben haben, nämlich, dass Teile der russischen Einsatzkräfte in Syrien auf dem Rückweg in die Heimat seien:
"Russland hatte 2017 seine militärische Präsenz im Mittelmeer nahe seines Marinestützpunktes in Syrien deutlich verstärkt. ...Nun zieht Russland zahlreiche Schiffe davon wieder ab und schickt sie vermehrt durch britische Gewässer."
Zum Beleg für seine kühne These von der russischen Spionage vor den Küsten Großbritanniens verweist das Blatt auf einen eigenen Artikel vom 26. Dezember:
"Die „HMS St. Albans“ habe die russische Fregatte „Admiral Gorschkow“ am Montag in der Nähe britischer Hoheitsgewässer überwacht, teilte das britische Verteidigungsministerium mit."
Mehr erfahren wir nicht. Weder wo sich der Vorfall, wenn man es denn unbedingt so bezeichnen will, wenn ein russisches Kriegsschiff durch internationale Gewässer in der Nähe der britischen Insel operiert, ereignet hat, noch in welche Richtung die "Admiral Gorschkow" gefahren ist, oder ob sie dort still gelegen hat. 

 Hierzu müssen wir schon einen Bericht der britischen "BBC" bemühen, auf den "Die Welt" sich augenscheinlich bezieht, ja den sie teilweise wörtlich übernimmt, ohne ihre Leser jedoch darauf hinzuweisen, das hier fremdes Gedankengut verbraten wird:
"Die Admiral Gorschkow, die erste einer neuen Klasse von Mehrzweck-Fregatten, muss noch Raketentests durchführen, bevor sie nächstes Jahr von der russischen Marine in Dienst gestellt wird, berichten russische Medien."
Wir erfahren zwar auch hier nicht wo genau sich die "Admiral Gorschkow" innerhalb der Nordsee aufgehalten hat, aber wir wissen nun, dass hier von einem offenbar noch nicht in Dienst gestelltem Schiff, das sich auf einer Testfahrt befand die Rede ist.
"Konteradmiral Chris Parry, ehemaliger Offizier der Royal Navy und ehemaliger NATO-Kommandeur, beschreibt den Einsatz des Kriegsschiffes als 'normal'. "Sie (die Admiral Gorschkow) hat das uneingeschränkte Recht, das nach internationalem Recht zu tun. Sie demonstriert das Recht auf 'friedlichen Durchfahrt'."
 Also nichts weiter als "Business as usual", das von der "Welt" zu einer Bedrohung Europas aufgebauscht wird.

 Das es das Blatt mit der präzisen Berichterstattung in jedweder Hinsicht nicht so ganz genau nimmt, zeigt ein weiterer Blick in den Artikel der BBC vom 26. Dezeember letzten Jahres. Der oben zitierte Ausspruch des britischen Verteidigungsministers:
"Wir werden nicht zögern, unsere Gewässer zu verteidigen. Großbritannien lässt sich nicht einschüchtern, wenn es darum geht, unser Land, unser Volk und unsere nationalen Interessen zu verteidigen."
 ist danach nicht erst jetzt im Januar gefallen, sondern bereits Ende Dezember. Vielleicht nur eine Petitesse, aber es zeigt, wie fahrlässig in deutschen Redaktionsstuben mit der Berichterstattung umgegangen wird, wenn eine Äusserung oder ein Ereignis gerade gut in die Story passt.

 Und weil es so gut in die Geschichte von der Bedrohung Europas durch die russischen Seestreitkräfte passt, zitiert "die Welt" noch zwei weitere "Vorkommnisse":
"Das (britische) Verteidigungsministerium erklärte, zuletzt hätten vermehrt russische Schiffe britische Gewässer durchquert. Demnach hatte am Sonntag auch das britische Patrouillenschiff „HMS Tyne“ ein russisches Aufklärungsschiff verfolgt, das durch die Nordsee und den Ärmelkanal gefahren war. Ein Marine-Hubschrauber habe zudem zwei weitere russische Schiffe beobachtet."
Welch hochgradige Bedrohung von dem russischen "Aufklärungsschiff" ("Die Welt" verzichtet darauf Name und Klasse zu nennen) ausgegangen sein muß, zeigt die Tatsache, dass die britische Marine zur Beobachtung mit der "HMS Tyne" ein Fischereischutzfahrzeug eingesetzt hat. Zusätzlich ist der Kahn noch eine ziemlich lahme Ente mit seinen 17 1/2 Knoten Höchstgeschwindigkeit, die allerdings in diesem Falle ausreichen, da die russischen Aufklärungsschiffe sowohl der Vishnya-Klasse aus den 80er Jahren, als auch die hochmoderne Juri Iwanow (Indienststellung 2015), in der Regel nicht schneller als 16 Knoten laufen. Nur die Belomore, einzig noch im Dienst befindliches Schiff der Balsam-Klasse, ebenfalls ein Relikt aus den 80er, macht 20 Knoten.

 Mit den russischen Aufklärungsschiffen sind wir zurück bei den vermuteten "Spionageaktivitäten". Langsam nähert sich "Die Welt" dem dramaturgischen Höhepunkt der Story. Der Worst Case, der Supergau steht unmittelbar bevor:
"Britische Vertreter hatten bereits im Dezember davor gewarnt, die russischen Schiffe könnten Unterseekabel für den Datentransfer kappen."
 Diese Nachricht fällt zwar unter die Kategorie "Olle Kamellen", aber ständiges Wiederholen, dass weiß man ja, führt letzten Endes dazu, dass die Mär zur Wahrheit mutiert, dass der Eindruck entsteht, hier handele es sich um Allgemeinwissen.

 Am 22. Dezember hatte die "Washington Post" sich bereits des Themas angenommen und "Die Welt" scheint auch hier wieder ungeprüft abzuschreiben. Allerdings sind die Kassandras nicht die Briten sondern, natürlich, US-Amerikaner die Warner in der Wüste. Die Post zitiert den Kommandant der U-Boot Streitkräfte der Nato, US-Admiral Andrew Lennon:
"Wir sehen jetzt russische Unterwasseraktivitäten in der Nähe von Unterwasserkabeln, von denen ich glaube, dass wir sie noch nie gesehen haben. Russland interessiert sich offensichtlich für die Unterwasserinfrastruktur der NATO und der NATO-Staaten."
In den deutschen Mainstream-Medien wurde diese erschreckliche Nachricht damals nach allen Regeln der Kunst breitgewalzt.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bezog sich direkt auf ein Interview mit NATO-Generalsekretär Stoltenberg:
"Russische U-Boote kommen der Nato immer näher"
"Die Zeit" schrieb:
"Nato ist besorgt über russische U-Boote"
"Der Tagesspiegel":
"Nato besorgt über Operationen russischer U-Boote im Atlantik"
Die "Süddeutsche Zeitung":
"Russische U-Boote nehmen Datenkabel im Nordatlantik ins Visier"
"Der Spiegel":
"Mittelmeer und Atlantik - Russische U-Boote nahe Datenkabeln machen Nato nervös"
Und natürlich wollte auch "Die Welt" nicht abseits stehen:
"Russische U-Boote haben Datenkabel im Nordatlantik im Visier"
 Mag es am Zeitpunkt der Veröffentlichung, der 23. Dezember, gelegen haben, der deutsche "Angstbürger" war vollauf damit beschäftigt die Weihnachtsgans für's Bratrohr vorzubereiten und hatte stressbedingt wenig Zeit sich vor dem bösen Russen zu fürchten, oder war es der Tatsache geschuldet, dass die deutsche Öffentlichkeit mehrmals täglich von den Medien mit der lauernden Gefahr aus dem Osten malträtiert wird und schon gar nicht mehr hinhört - die Nachricht war ein einziger Flop und ging völlig unter.

 Eine Tatsache, die auch nicht besonders verwundert. War die angebliche Bedrohung der Unterwasserkabel schon im Dezember 2017 alte Kost und wurde nur ein weiteres mal aufgewärmt.

 Am 25. Oktober 2015, also über zwei Jahre vor den Alarmmeldungen vom letzten Dezember berichtete Andreas Donath, der auch gelegentlich in "Die Zeit" und im "Handelsblatt" über themen aus der Welt des Digitalen schreibt auf dem Internetportal "Übergizmo" zugehörig zur "NetMediaEurpoe" Gruppe:
"Russische Militärschiffe positionieren sich nahe an US-Internetkabeln"
 Schon 2015, das geht aus dem Beitrag von Andreas Donath hervor, wurde versucht den Menschen Angst zu machen, mit dem gleichen Blödsinn wie heute. Donath beruft sich auf einen Artikel in der "New York Times" vom gleichen Tag:
"Das US-Verteidigungsministerium sorgt sich um die Positionierung von russischen Aufklärungsschiffen und U-Booten in der Nähe von Internetkabeln auf dem Boden der Meere. In Krisenfall könnten diese absichtlich die Verbindungen zerstören, was immensen Schaden verursachen würde."
Dann wird der mögliche wirtschaftliche Schaden beklagt, der entstehe falls die Russen zur Schere greifen:
"Im Zweifelsfall könnten diese die Verbindungen kappen, was einen enormen wirtschaftlichen Schaden für die USA und ihre Verbündeten bedeuten könnte."
Auch die immense Zunahme der russischen Aktivitäten in der Nähe der Überseekabeltrassen wurde schon im Oktober 2015 mit gleicher Intensität beklagt wie im Januar 2018:
"Die Zeitung hat einige Marine- und Geheimdienstmitarbeiter befragt. Dabei kam heraus, dass es russische Manöver in der Nordsee, in Nordostasien und sogar nahe der US-Küste gegeben hat, deren Intensität sich gegenüber 2014 fast verdoppelt habe."
"Die Welt" schreibt im Januar 2018:
"Auch die Nato zeigte sich alarmiert über zunehmende Aktivitäten russischer U-Boote in der Nähe wichtiger Datenkabel im Nordatlantik. Die Operationen hätten ein Ausmaß erreicht, wie es der Westen seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr erlebt habe, schilderte die „Washington Post“ unter Berufung auf hochrangige Militärvertreter in Brüssel." 
Schon 2015, so "Übergizmo" soll sich,
"ein europäischer Diplomat (...) an den Kalten Krieg erinnert gefühlt haben"  
Im "Focus" heißt es über zwei Jahre später:
"Im Nordatlantik befinden sich so viele russische U-Boote wie zur Zeit des Kalten Krieges."
Wie das Vokabular sich ähnelt. Zwei Jahre Propaganda, zwei Jahre Versuche den Menschen Angst zu machen und die Kriegstreiber scheinen keinen Millimeter vorangekommen zu sein. Die Menschen haben dazugelernt. Sie lassen sich nicht mehr so einfach für dumm verkaufen zu lassen.

 Wenn sich die russischen Aktivitäten in der Nähe der Kabeltrassen seit mehr als drei Jahren ständig gesteigert haben, so wie man uns glauben machen möchte, so müsste einschliesslich der Schiffe der Nato, die wiederum die russischen Schiffe beobachten, dort mittlerweile ein wüstes Getümmel herrschen. Davon ist allerdings nichts bekannt.

 Ein Zweites gilt es zu bedenken: Seit den US-Präsidentschaftswahlen 2016 sollen die Russen ja jede bisher stattgefundene Wahl, Bürgerbefragung oder Volksabstimmung beeinflußt haben, weil sie E-Mail-Konten von US-Politikern geleckt haben sollen, indem sie via Internet in das US-Wahlsystem eingedrungensein sollen, indem sie die öffentliche Meinung mit Trollkommentaren in den Medien beeinflussten. Glaubt man unseren Geheimdiensten, so passiert weltweit ja nichts mehr gegen den Willen Putins. Wie, so frage ich mich, wollen die Russen weiter die Weltläufe beeinflussen, wenn sie die dafür dringend benötigten Internetkabel zerstört haben? Auf die Dauer wird Putin sich entscheiden müssen.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

"Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden", Rosa Luxemburg

 Am Donnerstag, den 14. Dezember hat im Berliner Kino Babylon der "5. Kölner Karlspreis" an den Journalisten Ken Jebsen verliehen worden. Eine eher unspektakuläre Veranstalter für eine überschaubare Zahl von Insidern. Aber dann machten die Blockwarte der Political Correctness, die Hygienewächter der politischen Kultur ein Riesenfass auf.

Einer der Ersten, die sich empörten war der Politikwissenschaftler Fabian Weissbarth auf dem Internetportal "Salonkolumnisten". Am 14. November titelte Weissbarth:
"Party des Wahnsinns".
Was er mit der Wahnsinnsfete meinte,  erklärt der Autor uns selbst:
"Am 14. Dezember soll im Filmhaus am Rosa-Luxemburg-Platz der '5. Kölner Karlspreis für engagierte Literatur und Publizistik' verliehen werden."
In dem Artikel, der weder als Kommentar noch als Meinungsbeitrag des Autors gekennzeichnet ist, überwiegen dennoch die Meinungen und Ansichten des Autors über die an Fakten orientierte Berichterstattung. So folgt gleich im zweiten Satz eine höchst einseitige, von keinerlei Belegen verzierte Einstufung der Veranstaltung:
"Klingt hochtrabend, ist es aber nicht. Die Auszeichnung wird nämlich von der 'Neuen Rheinischen Zeitung' verliehen, einer Onlinezeitung, in der die Terrororganisation Hamas bisweilen als 'Befreiuungsorganisation' gelobt, Israel als Apartheidsstaat diffamiert und ansonsten viel über Zinssystem und Rothschild schwadroniert wird."
Es fällt auf, dass der Autor keinesfalls die Neigung hat, sich mit der Preisverleihung , dem Preis oder gar dem Preisverleiher, dem Online-Portal "Neue Rheinischen Zeitung" argumentativ auseinanderzusetzen. Er will herabsetzen.

Das will offensichtlich auch Klaus Lederer, seines Zeichens Stelvertretender regierender Bürgermeister von Berlin, Senator für Kultur und Europa und ehemaliger Vorsitzender der Berliner Partei "Die Linke".

Screenshot Twitter

 Nachdem Lederer die Akteure samt und sonders als Verschwörungsgläubige und Aluhüte lächerlich macht, übt er massiven Druck auf den Geschäftsführer des Babylon, Timothy Grossman aus:
"Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung."
Das setzt Grossmann unter massiven Druck. Ist die Existenz des Babylon doch, wie viele andere Kultureinrichtungen von finanziellen Zuschüssen des Berliner Senats abhängig, wie Fabian Weissbarth von den "Salonkolumnisten" am 14. November, also einen Tag nach Lederers Facebook-Ausraster, Grossman noch einmal öffentlich klar machte:
"Es ist nicht das erste Mal, dass Verschwörungsideologen wie Jebsen im Kino Babylon protegiert werden. So fand im Februar dieses Jahres die Filmpremiere von „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien“ im Kino Babylon statt – ein Film, der von Ken Jebsen offensiv beworben wurde. Auch die frühere Pegida-Aktivistin Kathrin Oertel soll (nichts genaues weiß man nicht - aber behaupten kann man ja schon mal - irgendetwas bleibt schliesslich immer hängen) bei einer Podiumsveranstaltung im Jahr 2015  zu Gast gewesen sein.
Dies alles könnte man geflissentlich ignorieren, würde das „Kino Babylon“ nicht eine Kultureinrichtung sein, die mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird. Seit 2014 bekam das Filmhaus fast 1,5 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden der „Neuen Babylon Berlin GmbH“ allein 361.580 Euro vom Land Berlin ausgezahlt."
Und so weiß dann auch Lederer was zu tun ist, in einer ehrenwerten Gesellschaft. Rolf Wetzel schreibt auf "Rubicon":
"So solidarisch wie nur möglich gibt er seinem Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert den Auftrag, den Babylon-Chef Timothy Grossman anzurufen, um das Nötige und Richtige zu sagen – von Mann zu Mann, ohne jede Drohung, ohne jeden Wink, dass man auch ganz anders könne.Der Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert klingelt also ganz spontan beim Babylon-Chef durch und offeriert ihm seine „deutliche Irritation“ ob dieser Veranstaltung. Das wird man wohl noch machen können. Ein Tag später zeigt die „deutliche Irritation“ schnellstmögliche Wirkung. Der Babylon-Chef wird kleiner als jeder Aluhut und sagt die Veranstaltung ab." 
 Dazu sollte man wissen, dass das Babylon am, welch ein böses Omen, welche Ironie, " am Rosa Luxemburg Platz" steht. Rosa Luxemburg, wurde am 15. Januar 1919 von Angehörigen des Freikorps der ehemaligen "Kaiserlichem Garde-Kavallerie-Schützen-Division" ermordet. Auf der Seite "dieterwunderlich.de" heisst es in einer Rezession des Buches "Eine Leiche im Landwehrkanal. - "Die Ermordung der Rosa L." von Klaus Gietinger:
"Fünf Männer der Wilmersdorfer Bürgerwehr drangen am Abend des 15. Januar 1919 in eine Wohnung ein, in der Siegfried und Wanda Marcusson gemeldet waren. (Wer ihnen den Tipp gab, wissen wir bis heute nicht.) Sie trafen einen Mann an, der behauptete, Marcusson zu sein, und eine Frau, die keinen Namen nannte. Es handelte sich um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Zwei Männer fuhren mit Karl Liebknecht zu ihrem Hauptquartier; die anderen drei bewachten Rosa Luxemburg in der Wohnung und nahmen dann auch noch Wilhelm Pieck (1876 – 1960) fest, der gegen 21 Uhr klingelte....Rosa Luxemburg hatte nach einer kurzen "Vernehmung" durch Waldemar Pabst ihren bei der Festnahme heruntergerissenen Rocksaum angenäht und in Goethes "Faust" gelesen. Um 23.40 Uhr wurde sie von dem dreißigjährigen Oberleutnant a. D. Kurt Vogel über die Treppe hinunter in die Hotelhalle und zur Drehtür geführt. Otto Wilhelm Runge wartete inzwischen wieder vor dem Haupteingang. Sobald Rosa Luxemburg ins Freie trat, rammte er ihr den Gewehrkolben gegen den Kopf. Sie stürzte zu Boden, und Runge hieb noch einmal auf sie ein, bevor die anderen Rosa Luxemburg ins Auto zerrten. Den Schuh, den sie dabei verlor, hob ein Soldat auf und behielt ihn als Trophäe. Ein Wachoffizier stahl aus der zu Boden gefallenen Handtasche einen Brief von Clara Zetkin. (Er verkaufte ihn 1969 für mehrere hundert D-Mark.)"
Von dieser Rosa Luxemburg ist vor allen Dingen ein Satz überliefert:
"Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden."
Screenshot Facebook

 Wenn es darum geht herabzusetzen, zu diffamieren, besonders wenn es um Ansichten geht, die nicht in die allgemein als gültig geltenden und als offiziell politisch korrekt anerkannten Nato-Denkschemen passen, dann ist für gewöhnlich der "Tagesspiegel" nicht weit. Der widmet sich einmal direkt dem im Rahmenprogramm auftretenden Jazzmusiker Gilad Atzmon:
"Gilad Atzmon soll für Ken Jebsen aufspielen. Als "britischen Jazzmusiker, Autor und Palästina-Aktivist" kündigen die Veranstalter der alternativen "Karlspreis"-Verleihung an diesem Donnerstag im Berliner Babylon-Kino Atzmon in ihrem "Kulturprogramm" an. Für Kritiker ist der aus Israel stammende Musiker vor allem der 'Alibi-Jude der Holocaust-Leugner'."
 Wohlgemerkt: Es war nicht vorgesehen, dass Atzmon sich politisch äussert, er ist lediglich als ein überaus angesehener und geschätzter Jazzmusiker geladen. Schon das, so suggeriert das Blatt ist ein Akt der Aggression gegenüber dem allgemeinem gesundem Volksempfinden. Dabei ereifert sich der Autor Mathias Meisner so sehr, dass ihm, nehmen wir einmal zu seinen Gunsten an, nur ein Lapsus Linguae unterläuft, Atzmon sei vor allem der "Alibi-Jude".

 Nimmt man die Erklärungen des Begriffs Antisemitismus ernst, so äussert sich dieser unter anderem dadurch, dass man Personen, ihre Handlungen und Ansichten auf ihr Jude sein reduziert. Was anderes als purer Antisemitismus ist die Bezeichnung eines Menschen als "Alibi-Jude"?

 Es scheint immer mehr eine Frage des Lagers zu sein, ob Äusserungen und Handlungen antisemitisch sind oder nicht. (Schon Göhring soll gesagt haben, wer Jude ist bestimme ich). Meisner, allein schon durch die Tatsache Redakteur beim "Tagesspiegel" zu sein, fest verwurzelt im USA-Nato-EU-affinen Lager verwurzelt und ausgestattet mit der festen Gewissheit, dass wo er ist, das Recht seine angestammte Heimat hat, scheut sich nicht für seine "Argumentation" auf äusserst fragwürdige Quellen zurückzugreifen:
"Im Blog "Kentrail Verschwörung", der sich Querfront-Netzwerken widmet, heißt es, Atzmon sei "so radikal, dass ihn selbst ausgemacht Israel-Gegner ablehnen". Der Musiker bediene "uralte Stereotypen des Antisemitismus, seine irre Agitation zitiert unverblümt die ätzende Propaganda des Nationalsozialismus".
 Die im Geheimen operierenden Macher des Blogs "Kentrail Verschwörung", es gibt weder ein Impressum noch bekennen sich die Autoren der einzelnen Beiträge durch ihre namentliche Zeichnung zu ihren Ergüssen, scheinen einem seltsamen Humor zu huldigen. So ist das Wort "Kentrail" ein Wortspiel, der gleich mal die bösartig, verlogene Ausrichtung des Blogs kennzeichnet:
Es ist ein Kunstwort die erste Silbe des Wortes "Chemtrail", das als Synonym für alle Menschen gilt, die grundsätzlich andere Meinungen vertreten als das gesunde Volksempfinden, durch den Vonamen Ken = Ken Jebsen ersetzt wurde. Ganz gleich ob sie nun an Ausserirdische, an irgendwelche schädliche Strahlen, an die Weltherrschaft der Rothschilds glauben, oder ob sie sich nur nicht mit den einfachen Erklärungen von Regierungen und den von ihnen eingesetzten Kommissionen zufrieden geben, sie alle werden mit der Bezeichnung "Verschwörungstheoretiker" in einen Topf geworfen.

 Wer auch immer sich hinter dem Blog "Kentrail Verschwörung" verbirgt, hat seine Anonymität mit Bedacht gewählt. Denn auf der Seite, die sich, warum auch immer mit einer Graphic des Dude aus dem Film "The Big Lebowski" schmückt wird nicht argumentiert - es wird ausschliesslich diffamiert. Zur Verleihung des "5. Kölner Karlspreises" fällt den "Anonymen Autoren" ganz im Stil der springerschen Bildzeitung nur die Überschrift:
"Dieses berüchtigte Hetzer-Duo will Ken Jebsen einen Preis verleihen"
ein. Dazu ein Bild der zwei Herausgeber der "Rheinischen Zeitung". Wer nun geglaubt hat, der Text hätte mehr zu bieten als haltlose, unbelegte Beschimpfungen, der wird arg enttäuscht.

Screenshot Kentrail Verschwörung
Eine kleine Leseprobe gefällig?
"Das Querfront-Blog Neue Rheinische Zeitung Online will im Berliner Kino Babylon einen Preis an den Verschwörungs-DJ Ken Jebsen vergeben. Der Kultursenator Klaus Leder hat das kritisiert und wird dafür von der Aluhut-Szene attackiert. Hinter der Veranstaltung stecken zwei hasserfüllte Hetzer aus Köln."
Einmal abgesehen davon, dass "der Kultursenator" nicht der von Hamburg oder Bremen ist, sondern der von Berlin und nicht Leder heißt, auch wenn der Mann gern, zum Wohle seiner Karriere, gegen ihm unliebe Zeitgenossen kräftig vom Leder zieht, sondern Lederer und die offizielle Bezeichnung seiner Ämter ist "Stellvertretender Regierender Bürgermeister von Berlin" und "Kultur- und Europasenator von Berlin".

 Aber kommt es auf solche Feinheiten an, wenn man ein Weltverständnis hat, in dem es nur schwarz und weiß gibt und in dem solche Unterscheidungen mit immer den gleichen Sereotypen begründet werden? Beim Tagesspiegel scheint man gleicher Meinung zu sein. Hier wird völlig unreflektiert aus dem Blog zitiert:
"Im Blog ‚Kentrail Verschwörung‘, der sich Querfront-Netzwerken widmet, heißt es, Atzmon sei ‚so radikal, dass ihn selbst ausgemacht Israel-Gegner ablehnen‘. Der Musiker bediene ‚uralte Stereotypen des Antisemitismus, seine irre Agitation zitiert unverblümt die ätzende Propaganda des Nationalsozialismus‘."
 Dabei sind die "Anonymen Eiferer" nicht eben zimperlich, wenn es darum geht, mit kleinen, faulen Tricks ihre Art der Wirklichkeit an den Mann zu bringen. Und das geht dann so:
"Im Oktober wurde die unverbesserliche Rechtsextremistin Ursula Haverbeck-Wetzel wegen Holocaust-Leugnung zu einer Haftstrafe verurteilt. Vor Gericht berief sich die 88-jährige unter anderem auf einen jüdischen Musiker und Autor, um ihre giftigen Behauptungen zu untermauern: Gilad Atzmon stammt selbst aus Jerusalem, verbreitet jedoch seit Jahren wüste Verschwörungstheorien und Mythen über Israel und die Juden. [1]"
Die in eckige Klammern gesetzte 1 steht für einen Link, der wie alle anderen unter dem Text aufgereiht sind. Klickt man den Link "[1] BNR am 29.11.17." an, so findet man dort eine ganze Menge - ausser einem Hinweis darauf, dass sich Haverbeck-Wetzel in ihrer kruden Argumentation auf Gilad Atzmon berufen hat.

 Genau nach dem gleichen Shema verfährt "Kentrail Verschwörung ein paar Sätze weiter:
"Atzmon genügen Boykottaufrufe und „Kritik“ am jüdischen Staat nicht. Er behauptet gleich, Israelis würden Organhandel mit den Körpern getöteter Palästinenser betreiben. [4]"
Klickt man:
"[4] Electronic Intifada am 13.03.12. (Electronic Intifada ist selbst eine radikal antiisraelische Website.)",
an, so landet man auf einer Seite des Blogs "The Electronic Intifada" mit einem durchaus diskutablen Beitrag über Atzmons Thesen in seinem Buch "The Wandering Who". Das  U.S. Palestinian Community Network (USPCN) setzt sich in einem offenen Brief mit dem Inhalt des Buches auseinander. Der zweite enthaltene Link "antiisraelische Website" führt zu einer Website, die es sich zur Aufgabe gemacht hat alles und jeden an den Pranger zu stellen, der jemals auch nur einen einzigen Groschen an eine palästinensische Organistion gezahlt hat: "NGO Monitor - Making NGOs accountable" was soviel heißt wie "NGOs zur Rechenschaft ziehen".

 Die Organisation, die ihren Sitz in Israel hat, definiert ihre Tätigkeit selbst so:
"NGO Monitor wurde 2002 mit dem Ziel gegründet, kritische Analysen und Berichte über die Aktivitäten der internationalen und lokalen NGO-Netzwerke zu erstellen und zu verteilen, zum Nutzen von politischen Entscheidungsträgern, Journalisten, philanthropischen Organisationen und der Öffentlichkeit. Wir dokumentieren und veröffentlichen Verzerrungen der Menschenrechte und des Völkerrechts im Kontext des arabisch-israelischen Konflikts sowie doppelte Standards und voreingenommene Kampagnen und liefern Informationen und Kontext zu diesen Themen und Aktivitäten, um eine informierte öffentliche Debatte zu fördern."
Zu diesen "internationalen und lokalen NGO-Netzwerke(n)zählen aus Deutschland die "Heinrich-Böll-Stiftung" oder "Brot für die Welt".

Aber soviel man auch sucht auf "The Electronic Intifada" und auch auf "NGO Monitor", es ist beim besten Willen keine Textstelle zu finden in der behauptet, oder gar belegt wird Atzmon habe behauptet "Israelis würden Organhandel mit den Körpern getöteter Palästinenser betreiben".

In der "taz" müht sich derweil Eric Peter der ganzen Angelegenheit einen moralisch fundierten ideologischen Hintergrund zu verleihen. Heraus kommen dabei Plattitüden wie diese:
"Die politische Linke lebt von ihrer Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Wo sie nur in Feindbildern denkt, hört sie auf zu sein."
 Und wenn man schon mal so in die Tiefe geht, dann wird es auch leicht zu unterscheiden, zwischen echten, also richtigen Linken und den nachgemachten, den Plagiaten, die zwar auf den ersten Blick aussehen wie echte Linke, aber bei genauerer Prüfung die Werte der echten Linken vermissen lassen. Dabei unterliegen sie einer frapanten Selbsttäuschung:
"Es gibt keine Zweifel, dass sie sich selbst als Linke sehen. Wie überhaupt, Zweifel dieser 'Bewegung' ziemlich fremd sind."
Peter scheint sich in einem Zustand schizophrener Identitätskrise zu befinden. Macht er sich eben noch über die "Aluhüte" lustig:
"Sie sind die Guten, die Unverstandenen, die Kleingehaltenen",
so bejammert er im nächsten Satz die Vorverurteilung ihrer politischen Gegner durch eben jene "Aluhüte":
"Und auch die Rollen der Bösen sind vergeben: Es sind die etablierten Medien, von den GEZ-Sendern bis zur Jungen Welt, die USA und Israel, die politischen Parteien und das parlamentarische System, und im konkreten Fall Kultursenator Klaus Lederer (Linke)".
 Vor lauter dummen Geschwätzt merkt Eric Peter gar nicht wie sehr er sich gemein macht mit seinen Gegnern von der "Querfront". Derart moralisch und intellektuell aufgerüstet traut Peter sich argumentativ den Linken ihr Linkssein abzuerkennen:
"Die verlorene Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erkennen und die Verhältnisse angesichts systeminhärenter Prozesse zu bewerten",
so Peter, sei das Problem der Szene. Also, im Gegensatz zu solchen Durchblickern wie Peter, die nur noch in Schlagwörtern und Diffamierungen, wie Querfront, Antisemiten, Antiisraele, Antizionisten, Antiamerikaner, Verschwörungstheoretiker, Aluhüte argumentieren, hängen missliebige Leute wie Oskar Lafontaine, seine Ehefrau Sarah Wagenknecht oder Leute wie die Linkenpolitiker Wolfgang Gehrke oder Dieter Dehm einem verbreitetem Irglauben an:
"Politische Entscheidungen fallen nicht allein deshalb, weil die Mächtigen böse sind. Und sie fallen nicht, weil die eigentlich Mächtigen dunkle Gestalten im Hintergrund sind."
 Was uns Peter zu sagen versucht: Laßt es Leute, macht euch keine eigenen Gedanken! Die Welt ist viel zu komplex für euch Spatzenhirne. Lest was in der "taz" geschrieben steht und glaubt. Hört was euch Frau Merkel, Herr Schulz oder meinetwegen auch Herr Lindner sagen und glaubt. Wenn euch irgendetwas unverständlich, womöglich sogar unlogisch erscheint, so liegt das an eurem mangelnden Verständnis für systeminhärente Prozesse.

 Wenn die "taz" in der Vergangenheit die Untaten der Dshihadisten, der Kopfabschneider und Frauenschänder in Syrien relativiert oder gar abgestritten hat, wenn sie die Untaten der USA in Afghanistan, in Somalia, im Sudan, im Irak und Syrien verschwiegen hat, wenn sie den Putsch des "Rechten Sektor" in der Ukraine als gerechten Widerstand gegen ein korruptes Regime verschleiert und glorifiziert hat, wenn sie in den Jahren der Rot/Grünen Koalition den Arbeitnehmern erzählt hat, sie müssten Opfer bringen für die Erstarkung der deutschen Wirtschaft, wenn sie den Menschen in Berlin weisgemacht hat, ihre Wohnungen und ihre Wasserversorgung müssten an private Investoren verkauft werden, wenn sie Arbeitslose als Faulenzer verunglimpfte, so war das keineswegs böser Wille oder einfach Liebedienerei bei den Mächtigen, sondern wir haben das alles vollkommen falsch verstanden. Es lag einzig und allein an unserer "verlorenen Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erkennen".

 Was Peters hier betreibt ist das alte Handwerk der Manipulation von Meinungen. Man baut eine Sperre ein in die Denkmuster der Menschen. Es wird eine Grenze definiert, die ein anständiger Mensch nicht überschreitet. Alles dahinter ist tabu.  die vorgehensweise ist ganz einfach. Man erfindet ein griffiges Schlagwort. Zum Beispiel "Verschwörungstheorie" oder "Querfront". Die meisten Menschen wissen damit gar nichts anzufangen. Aber das ist auch gewollt, weil man so viel leichter alles was man tabuisieren will auf diese Begriffe projiziert. Matthias Meisner vom Tagesspiegel erklärt das so:
"Querfront steht dabei als Sammelbegriff für antidemokratische, antisemitische, verschwörungstheoretische, rechtspopulistische oder rassistische Positionen."
 Fertig. Ein griffiges Schlagwort ist geschaffen, dass wunderbar als Totschlagargument dienen kann. Wer möchte schon gern antidemokratisch oder gar antisemitisch oder rassistisch sein? Niemand. Das gleiche gilt für das Wort Verschwörungstheorie oder Verschwörungstheoretiker. So kann man Argumente, Ideen, Meinungen schnell und einfach eliminieren, indem man sie als Verschwörungstheorie oder Argument der Querfront diffamiert. Die Menschen werden dazu gebracht, dass sie sich selbst kontrollieren und an bestimmten Stellen einen Gedanken gar nicht erst weiter verfolgen, weil eine Schere im Kopf bestimmte Gedanken mit einem Tabu belegt.

 Das gleiche was man mit Argumenten, Gedanken, Meinungen macht, kann man auch mit Menschen machen. Man stellt sie an den Pranger als Querfrontler oder Verschwörungstheoretiker. Jemanden so zu diffamieren ist gar nicht besonders schwer. Es reicht ein Gerücht, eine falsche Anschuldigung, die immer wieder wiederholt wird. Dabei spielt der Wahrheitsgehalt letztendlich keine Rolle. Belege für Behauptungen, die unter Umständen ganze Existenzen vernichten können verlangt niemand mehr, wenn die Anschuldigung erst einmal Allgemeingut geworden ist.

 Nehmen wir als Beispiel für  eine dieser Geschichten, die ohne belegt zu sein, ein Eigenleben in den Medien und in der Politik entfalten, bis sie zur allgemeineneinen Gewissheit geworden sind. Einen Vorfall aus der letzten Zeit:
 Bei den Demonstrationen in Berlin gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump habe die Masse der Demonstranten immer wieder "Tod den Juden" gerufen. Unisono berichtete der Mainstream über dieses angebliche abscheuliche Ereignis und beklagte den immer mehr anwachsenden Antisemitismus. Ob "Die Welt", "Die Zeit", die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "der Spiegel" oder der "Tagesspiegel", alle berichteten sie darüber als seien sie dabeigewesen und hätten mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Augen gehört, was sich dort unter dem Brandenburger Tor zugetragen hat.

 Schliesslich sah sich sogar Bundesjustizminister Heiko Maas auf "Spiegel online" zu der Forderung genötigt:
"Wer ‚Tod den Juden‘ ruft, gehört vor Gericht."
Der omnipräsente Chef der Gewerkschaft der Polizei, Reiner Wendt, hatte einmal mehr Grund für seine Forderung nach einer Verschärfung des Demonstrationsrechts.

Dank dem Blog "Über den Medien" hinter dem unter anderem der Medienkritiker Stefan Niggemeier steht, kam heraus, dass es diese Rufe gar nicht gegeben hat. Emily Dische-Becker hat akribisch recherchiert wie es zu diesen "Fake News" gekommen ist:
"Der erste Artikel, in dem davon die Rede ist, erscheint am 10. Dezember im Boulevardblatt 'Berliner Kurier'. Er beginnt so:   Es sind Bilder, die wir nie wieder sehen wollten in unserem Land. Parolen, die wir nie wieder hören wollten. Doch ausgerechnet am Brandenburger Tor, dem Symbol für Deutschland, das in der ganzen Welt bekannt ist, skandierten am Freitag fast 1500 hasserfüllte Menschen auf einer pro-palästinensischen Demonstration „Tod den Juden“, verbrannten eine eigens für diesen Zweck gebastelte Fahne mit Davidstern sowie eine Israelflagge. Jetzt ermittelt die Polizei."
 Emily Dische-Becker sucht den Kontakt zu dem Reporter, der als einer der Autoren dieses Artikels benannt ist und der vor Ort war:
"Kann der Reporter bestätigen, dass „fast 1500 hasserfüllte Menschen ‚Tod den Juden‘ skandiert“ hatten, und hat er sie dabei gefilmt? Nein, sagt er, weil seine Hände zu kalt gewesen seien und die Zahl eine „Übertreibung“ sei. Tatsächlich habe er den Ruf „Tod den Juden“ nur kurz am Rande gehört, nach dem Ende der eigentlichen Demonstrationen, von einer kleinen Gruppe, „so fünf oder sechs Leute“. Ein Bekannter, mit dem er unterwegs war, habe ihm den Ruf übersetzt. Einen Kontakt zu diesem Zeugen kann er nicht herstellen. …er habe den fertigen Artikel gar nicht gekannt, über dem sein Name steht und der so viele Reaktionen ausgelöst hat. Er habe die Beobachtung seinem Redaktions-Kollegen nur telefonisch mitgeteilt. Dass in dem Artikel davon die Rede war, dass 1500 Menschen minutenlang den Spruch skandierten, habe er nicht gewusst und es habe ihn überrascht. Das sei alles maßlos übertrieben."
 So viel zu der wahren Geschichte, die scheinbar niemanden mehr interessiert. Wichtig ist die Message. Sie passt in das Framing vom zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Darum wohl auch ist ausser im "Berliner Kurier" und in der "Berliner Zeitung" in keinem der Mainstream-Medien eine Richtgstellung erschienen.

 Genauso funktionieren die Mechanismen, wenn es darum geht Menschen zu Aussätzigen zu stempeln. Eine Anschuldigung, die in den Mainstreammedien immer wieder wiederholt wird, ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen und schon ist eine Karriere oder sogar ein Leben zerstört. Die Zeit des berichtenden Journalismus ist längst vorbei, vorherrschend ist die Meinung, die Richtung muss stimmen und wer von dieser abweicht, oder sie auch nur gelegentlich hinterfragt, der gehört eben zu den Schmuddelkindern.

 Einer, dem so ein Brandzeichen auf die Stirn gedrückt wurde ist die Hauptfigur der Veranstaltung im Babylon, der Preisträger Ken Jebsen. Hört oder liest man irgendetwas über diesen Ken Jebsen, so ist die Nennung seines Namens unweigerlich mit dem Stereotyp verbunden, er, Jebsen sei 2011 wegen antisemitischer Äusserungen vom ARD-Sender RBB entlassen worden. Im Tagesspiegel schreibt Meichsner das so:
"Jebsen hatte 2011 eine Mail an einen Hörer geschickt, in der es hieß: "Ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat." Der RBB trennte sich anschließend von ihm, obwohl der Moderator behauptete, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen worden."
Meisner besitzt die Frechheit die Worte "eine Mail an einen Hörer geschickt" mit einem Link zu hinterlegen. Jeder, der nun meint einen Beleg für die Behauptung zu finden, stösst nachdem er sich durch einen ellenlangen Text über diverse Streitigkeiten in der Linkspartei gekämpft hat auf folgenden Textabschnitt:
"Der RBB hatte sich 2011 nach Antisemitismusvorwürfen von dem umstrittenen Radiomoderator Jebsen getrennt. Jebsen hatte in einer Mail an einen Hörer unter anderem geschrieben, er wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe. "
Ende der Durchsage. Meisner belegt eine Behauptung, indem er sie einfach wiederholt. So etwas nennt man wohl gemeinhin: Die Leser verarschen.

 Wer auch immer bei Google Ken Jebsen als Suchbegriff eingibt, wird früher oder später auf die Worte "er (Ken Jebsen) wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe". Was er nicht finden wird, ist ein Beleg für diese Worte. Oft wird noch berichtet Jebsen habe diese Äusserung in einer Mail an einen Hörer gemacht, dieser habe sie an den Oberinquisitor Henryk M. Broder geschickt und dieser habe beim RBB so lange insistiert, bis man sich von Jebsen getrennt habe. Die Mail allerdings scheint verschollen. Nirgends wird sie als Beleg der Behauptung, Jebsen sei Antisemit, vorgelegt. Und das hat offensichtlich seinen guten Grund.

 Aus dem Text, der gespickt ist von Fehlern, was auf einen hohen Grad von Aufregung des Autors zum Zeitpunkt als er den Text verfasst hat schliessen lässt, geht kein Antsemitusmus hervor, noch läßt er sich daraus ableiten. Was nun das immer wieder breit getretene Zitat "er (Ken Jebsen) wisse, wer den Holocaust als PR erfunden und wie Goebbels die entsprechenden Kampagnen umgesetzt habe" betrifft, so ist das ganz in dem Sinne zu verstehen, dass Goebbels Bernays Erkenntnisse und Lehren für die propagandistische Vorbereitung und Rechtfertigung des Holocaust nutzte. 

 Wikipedia schreibt in dem Artikel über Edward Bernays:
"Joseph Goebbels benutzte Bernays Buch Crystallizing Public Opinion, um die antijüdische Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland aufzubauen. Bernays, ebenso wie sein Onkel Sigmund Freud selbst Jude, erfuhr davon durch Karl von Wiegand, Reporter der amerikanischen Hearst-Zeitung in Deutschland. Dieser hatte Goebbels besucht und mit ihm einen Rundgang in dessen Bibliothek unternommen."
Bernays selbst schreibt in seiner Autobiographie "Biographie einer Idee. Die hohe Schule der PR. Lebenserinnerungen", in Deutsch erschienen 1967 im Econ Verlag in der Übersetzung von Ulf Macher und Carl Hundhausen auf Seite 111:
"Ich wusste, dass jede menschliche Aktivität für soziale Zwecke benutzt oder asozial missbraucht werden kann. Offenbar war die Attacke gegen die Juden Deutschlands kein emotionaler Ausbruch der Nazis, sondern eine wohlüberlegte, geplante Kampagne." 
Wer will findet den Text der Mail Jensens an den anonymen Hörer auf der Seite des Chefinquisitors Henryk M. Broder.
Screenshot Achse des Guten


 Ein Satz, vielleicht etwas unverständlich, besonders wenn er aus dem Zusammenhang gerissen wird, unbedacht in einem Moment der Erregung gesagt oder geschrieben reicht den modernen Inquisitoren aus, um Menschen zu stigmatisieren. Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Stefan Liebich, nutzt den Satz sogar als Personifizierung Jebsens:
"....Preisverleihung an Ken Jebsen („Ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“) formuliert,..."
Die Person Jebsen wird reduziert auf diesen einen Satz. Was für eine Geringschätzung, was für eine Herabsetzung, einfach aus der selbsterzeugten Gewissheit heraus, auf der Seite des politischen Mainstreams zu stehen. Da Liebich weiß in welchem Zusammenhang das Zitat gebraucht wurde, muss man ihm bösen Willen unterstellen.

 Sehr schön auch die Begründung warum Lederer Recht mit seinen verbalen Entgleisungen und der Quasi-Zensur hat, ist ebenso vielsagend wie frappant:
"...denn er hat damit einfach Recht."
Liebich braucht keine Fakten, keine Argumente, ihn quälen keine Zweifel - dank seiner Selbstverortung auf der "richtigen Seite" der Geschichte erklärt er einfach wer Recht und wer Unrecht hat.


 Stefan Liebich ist den meisten Berlinern noch in böser Erinnerung. War er doch zu Zeiten der Rot/Roten Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus Fraktionsvorsitzender der PDS, der Vorläuferin der heutigen Partei "Die Linke". Jene Partei die heute die Wähler mit Parolen gegen Mieterhöhungen ködern will, war unter der tätigen Mithilfe Liebichs verantwortlich dafür, dass die Stadt Berlin einen großen Teil ihres Wohnungsbestandes an Heuschrecken wie Cerberus verschleuderte und hat somit einen gehörigen Anteil an der unverantwortlichen Mietpreissteigerung.

 2004 verkaufte Berlin unter Federführung des damaligen SPD-Finanzsenators Thilo Sarrazin! 75.000 Wohnungen an den "Höllenhund", die deutsche Übersetztung des griechischen Namens Cerberus. Liebig sorgte damals dafür, dass die meuternde PDS-Fraktion bei der Stange blieb. Damals, zumindest, funktionierte die Zusammenarbeit zwischen linken Liebich und dem rechten Sarrazin, dem Stichwortgeber und geistigem Mentor von AFD und Pegida, vortrefflich und zwar zum Nachteil der Berliner Bürger, sozusagen: Querfront at its best.
Screenshot Twitteraccount Stefan Liebich
 Auch die Arbeitnehmer des Landes Berlin bekamen Liebichs soziale Kompetenz zu spüren. Im Jahr 2003 trat das Land aus dem Arbeitgeberverband aus. So versuchte sich Berlin daus den damaligen Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag im öffentlichen Dienst herauszumogeln. Aber das war nicht die einzige Zumutung, die Liebich und seine Kumpane aus SPD und PDS für die Arbeitnehmer Berlins bereithielten. Am 7. Januar 2003 meldete "Der Spiegel":
"Bereits mit Wirkung zum morgigen Mittwoch erklärte der Senat der Hauptstadt den Austritt aus sämtlichen Arbeitgeberverbänden für Arbeiter und Angestellte."
Für die Beamten der deutschen Hauptstadt hatte das unmittelbare, einschneidende Auswirkungen:
"Auf Beschluss des Senats müssen die rund 75.000 Berliner Beamten zudem von diesem Mittwoch an zwei Stunden länger in der Woche arbeiten. Berlin will so knapp 136 Millionen Euro im Jahr einsparen. Die Gewerkschaften kritisierten die Arbeitszeiterhöhung als unzumutbare Verletzung der Fürsorgepflicht und drohten mit Streik.Bereits mit Wirkung zum morgigen Mittwoch erklärte der Senat der Hauptstadt den Austritt aus sämtlichen Arbeitgeberverbänden für Arbeiter und Angestellte",
berichtete "Der Spiegel" weiter. Für die Beamten, die einer Streikdrohung der Gewerkschaft Verdi Folge leisten sollten zeigte der damals zuständige Innensenator Erhard Körting die ihm zur Verfügung stehenden Folterinstrumente:
"Illegitime Streiks werde das Land nicht tolerieren und mit Disziplinarmaßnahmen von Abmahnung bis zur Entfernung aus dem Dienst beantworten."
 Matthias Meisner vom Tagesspiegel allerdings stört es wenig, wie hier von Politikern, die scheinbar nichts ausser ihrer eigenen Karriere im Kopf haben, Andersdenkende stigmatisiert werden. Ihm gefällt Liebichs skandalöser Tweet so gut, dass er ihn in seinem Artikel unter der dümmlich herabsetzenden Überschrift "Unter Putin-Verstehern und Aluhüten" wortwörtlich zitiert. Dabei unterlegt er den Satz Jebsens „Ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“ wiederum mit einem Link.

 Wer nun aber glaubt wenigstens dieses Mal zu der Originalmail geleitet zu werden, der irrt allerdings ein weiteres mal. Meisner geht es schliesslich nicht um Information sondern um Aggitation. Die immer noch Neugierigen landen daher auf einem Blog, der sich nach seinem Betreiber nennt: "Michael Bittner". Meisner liebt es auf die Ausdünstungen seiner "Antideutschen" Mitstreiter zu verlinken.

 Bittner treibt vorwiegend in der Poetry Slam Szene Berlins sein Unwesen. Sein Text zu Jebsen hat etwas von einer Hetzschrift:
"Was ist ein politisch Inkorrekter",
fragt Bittner, nur um sich gleich selbst die Antwort zu geben:
"Ein Feigling, der doch ein Provokateur sein möchte."
Bittner erwähnt Jebsen mit keinem Wort wenn er mit den Mitteln der Küchenpsychologie nun beginnt diesen in Form eines Psychgramms massiv zu beleidigen:
"Widerspruch aber schmerzt ihn unendlich, denn er ist eine krankhaft narzisstische Natur. Seine Selbstverliebtheit erträgt keine Kritik. Eben darum flennt und jammert er, sobald ihm jemand Widerworte gibt: „Man will mich mundtot machen! Hilfe! Hilfe!“ So erklärt sich das Paradox, dass diejenigen, die selbst immer rücksichtslos „Klartext“ reden wollen, auf scharfe Erwiderungen am empfindlichsten reagieren."
Aber weil der Inkorrekte nun einmal ein Feigling ist und
"Um jenen Schmerz (den des Widerspruchs) zu vermeiden, spricht der politisch Inkorrekte vornehmlich in Andeutungen. Seine Anhänger wissen bald, woran sie sind, denn sie vernehmen die unhörbaren Töne wie Hunde die Pfeife ihres Herrn."
Aber auch wenn nur die hündischen Inkorrekten die Pfeife ihres Herrn hören (wie sehr doch die Worte an die Schimpftiraden eines Herrn Goebbels erinnern) gibt es doch scheinbar Wachsame eines gesunden Volksempfindens, die in alter Blockwartmanier ihr Ohr ständig an der Wand zur Nachbarwohnung haben und zersetzende Äußerungen sofort an den dafür zuständigen Stellen melden.

 So feiert denn auch Bittner den Lauscher an der Wand, Henryk M. Broder, dem Persönlichkeitsrechte von untergeordneter Qualität sind, wenn es ums Große, ums Ganze geht. Der korrekte Broder handelte inkorrekt riss eine private Äußerung Jebsens aus dem Zusammenhang verdrehte Sinn und Inhalt so lange bis er sich nahtlos in seine Wahnvorstellungen von einer Gesellschaft, die mit ihrem Antisemitismus den nächsten Holocaust vorbereitet einfügte und meldete alles dem damaligen Arbeitgeber Jebsens, dem RBB. Der Sender wurde dann von Broder so lange mit der Antisemitismuskeule bearbeitet, bis dieser den Arbeitsvertrag mit Jebsen kündigte.

Die heimlich, still und leise Denunziation, das Wesen des Blockwarts greifen immer mehr Platz in bestimmten bundesdeutschen Kreisen. Da ist z. B. Malca Goldstein-Wolf. Die, oftmals in den Medien als Kölner Bürgerin vorgestellt wird. Frau Goldstein-Wolf hat es sich zur Aufgabe gemacht überall Antisemitismus zu wittern. Dabei ist sie bemüht, die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen. Gern nimmt sie Prominente unter Feuer, ganz besonders, wenn sie der SPD nahestehen, besonders zu Zeiten in denen in Deutschland Wahlkampf herrscht.

 Die bittere Erfahrung von Malca Goldstein-Wolf in aller Öffentlichkeit abgewatscht zu werden, musste im September, genau genommen am 19. September 2017, also 5 Tage vor dem Wahltermin, die wohl allem Antisemitismus unverdächtige Schauspielerin Iris Berben machen. In der "Jüdichen Rundschau" veröffentlichte Goldstein-Wolf, nicht etwa als Leserbrief, wie es normale Kölner Bürger bestenfalls gestattet würde, sondern im redaktionellen Teil der Zeitung einen Artikel:
"Offener Brief an Iris Berben".
"Mit großem Erstaunen", so fuhr Goldstein-Wolf Iris Berben an, habe sie gerade deren
"Werbevideo für den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gesehen."
Äusserst rüde im Ton setzte Goldstein-Wolf dann ihre Philippika gegen die Schauspielerin fort:
"Wissen Sie nicht, dass Martin Schulz die zutiefst antisemitische Rede (über die angebliche Brunnenvergiftung durch Rabbiner, bekannt als „Wasserlüge“) des Machmud Abbas im vergangenen Jahr vor dem EU-Parlament nicht nur per Twitter als „inspirierend“ bezeichnete, sondern auch vor Ort begeistert applaudierte?"
Mit der Wahrheit nahm sie es dabei nicht so ganz genau. So hatte Abbas im EU-Parlament keine, und schon gar keine "zutiefst antisemitische Rede" "über die angebliche Brunnenvergiftung durch Rabbiner" gehalten. Vielmehr bestand die sogenannte "Wasserlüge" des Machmud Abbas aus nur einem Satz in einer Rede von 42 Minuten länge. Seine Behauptung war so, zugegebenermassen, falsch. Sie war aber kein tragender Teil der Rede, sie war als Beispiel täglicher Gewalt gegen die Palästinenser im Westjordanland gedacht. Kommentator "Ruebenkraut" hat für seinen Beitrag im Tagesspiegel (am 07.07. 2017 um 8:50 Uhr) zu einem Gastbeitrag des Israelischen Botschafters, Yakov Hadas-Handelsman, genau nachgemessen und aufmerksam zugehört:
"Die Rede von Abbas enthielt 20 Sekunden (ab 31:58), in den er als ein Beispiel für Anstiftung zur Gewalt, den behaupteten Aufruf von Rabbis anführte, Palästinensern das Wasser zu vergiften, um darzulegen, was er unter Hate-Speech verstehen würde, von der er sagte, sie würde auf beiden Seiten erfolgen und dies sollte einer Überwachung, mitgetragen von der EU, unterliegen."
 Goldstein-Wolf spielt den winzigen Teil einer Rede so hoch, als habe es sich dabei um ihr eigentliches Thema gehandelt. Das ist natürlich ausgesprochen unredlich. Daraus aber auch noch den Vorwurf zu konstruierenMartin Schulz habe einer "zutiefst antisemitischen Rede ...begeistert applaudiert" und diesen angeblichen Antisemitismaus auch noch "per Twitter als inspirierend bezeichnet" ist nichts weiter als eine dreiste Lüge und zutiefst verleumdend.

Die Bürgerin Kölns fühlt sich anscheinend sicher vor den deutschen Strafgesetzen und den deutschen Gerichten, wenn selbst gestandene Politiker nicht gegen solche Hasstiraden vorgehen. Diese machen auch vor dem deutschen Staatsoberhaupt nicht halt. So wirft sie Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier vor:
"als erster Bundespräsident in der deutschen Geschichte einen Kranz am Grab des Terroristen und Mörders Jassir Arafat nieder, verneigte sich sogar."
Die Spitze der Unerträglichkeit erreicht Goldmann-Wolfs Hass aber als sie indirekt der SPD vorwirft, sie sei unmittelbar für die Ermordung jüdischer Menschen im Nahen Osten verantwortlich, "wie damals in Hitler-Deutschland". Zunächst schreibt sie:
"Denn eines ist doch klar: Die wiederholt israelfeindlichen Handlungen durch die SPD-Führungsriege können in dieser geballten Form kein Zufall sein",
um dann unmittelbar im nächsten Satz fortzufahren:
"Frau Berben, wie damals in Hitler-Deutschland, werden auch heute noch im Nahen Osten Juden nicht aus politischen Gründen ermordet, sondern nur deshalb, weil sie Juden sind."
Während sie hier, geradezu Ungeheuerliches schreibend, den Holocaust selbst relativiert, indem sie die Verhältnisse in Nahen Osten mit dem Hitlerregime vergleicht, wirft sie dem deutschen Aussenminister Sigmar Gabriel eben genau diese Relativierung zu. Gabriel schwadroniere:
"Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocausts".
Das sei die "Relativierung des Holocausts", obwohl Gabriel in keinster Weise das Opfer der Juden mit dem der Sozialdemokraten vergleicht.

Die Art und Weise der politischen Auseinandersetzung der Malca Goldstein-Wolf. Persönliche Verunglimpfung.
Screenshot Facebookaccount Glace Goldstein-Wolf

 Machmud Abbas hatte sich übrigens umgehend für seine falschen Aussagen öffentlich vor aller Welt entschuldigt und diese zurückgenommen. Eine ehrbare Handlung, zu der Eiferer vom Schlage einer Malca Goldstein-Wolf wohl nie fähig sein werden.

 Deren nächstes Opfer war der britische Rockstar Roger Waters. Waters einst Bassist bei der legendären Band Pink Floyd tourt seit der Auflösung solo durch die Welt. Im nächsten Jahr gibt er auch mehrere Konzerte in Deutschland. Der Kölner Lokalsender WDR plante das Kölner Konzert Waters mitzupromoten.

 Malca Goldstein-Wolf sah in dieser Tatsache gelebten Antisemitismus der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, sowie der gesamten öffentlich-rechtlichen Senderlandschaft.

 Der Grund: Waters ist nicht nur ein weltweit anerkannter Musiker, sondern auch Mitglied in der von Palästinensern 2005 als Antwort auf den Mauerbau Israels entlang der "Grünen Linie" gegründeten absolut gewaltfreien und pazifistischen Vereinigung "Boycott, Divestment and Sanctions" kurz BDS. Weitere Mitglieder sind unter anderem der südafrikanische Bischoff, Kämpfer für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung und langjährige Wegbegleiter und Freund Nelson Mandelas, Desmond Tutu, die Freiheitskämpferin und Ikone der Menschrechtsbewegung in den USA, Angela Davis, die Autorin Naomi Klein, die US-amerikanische Schriftstellerin (Die Farbe Lila) und Pulitzer Preisträgerin Alice Walker, der indigene Präsident Boliviens Evo Morales oder der weltberühmte britsche Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking.

 Am 9 Juli 2005 erschien "Der Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu BDS". Darin heißt es unter anderem:
"Rufen wir, RepräsentantInnen der palästinensischen Zivilgesellschaft, internationale Organisationen und alle rechtschaffenen Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, weitgreifend Boykott und Investitionsentzug gegen Israel durchzusetzen, ähnlich der Maßnahmen gegen Südafrika während der Apartheid. Wir appellieren an Sie, Druck auf Ihren jeweiligen Staat auszuüben, um Embargos und Sanktionen gegen Israel zu erreichen. Wir laden ebenfalls gewissenhafte Israelis dazu ein, diesen Aufruf zu unterstützen, der Gerechtigkeit und einem echten Frieden willen.
"
Der Zusammenschluss orientiert sich an den Boykottmaßnahmen gegen das ehemalige Apartheitssystem in Südafrika. Dabei wird immer wieder die absolute Gewaltfreiheit der Massnahmen gefordert:
"Diese gewaltlosen Strafmaßnahmen müssen solange aufrecht erhalten bleiben, bis Israel seiner Verpflichtung nachkommt, den PalästinenserInnen das unveräußerliche Recht der Selbstbestimmung zuzugestehen, und zur Gänze den Maßstäben internationalen Rechts entspricht, indem es:1) Die Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes beendet und die Mauer abreißt;2) Das Grundrecht der arabisch-palästinensischen BürgerInnen Israels auf völlige Gleichheit anerkennt; und3) Die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge, in ihre Heimat und zu ihrem Eigentum zurückzukehren, wie es in der UN Resolution 194 vereinbart wurde, respektiert, schützt und fördert."
 Roger Waters hatte nun im Verbund mit vielen anderen Künstlern und Prominenten, Kolleginnen und Kollegen dazu aufgefordert keine Konzerte mehr in Israel zu geben. Das brachte die Kölner Bürgerin
Malca Goldstein-Wolf dermassen auf, dass sie eine Online-Petition startete. 1.500 Unterschriften kamen innerhalb kürzester Zeit zusammen. Was allerdings nicht weiter verwundert, da die straff organisierte Anti-Antisemitismus-Gemeinde natürlich sofort und reflexartig reagierte.

 Gleich zu Anfang ihres Briefes erklärt sie dem WDR-Intendaten Tom Buhrow, dass dieser sich beim Thema Antisemitismus auf der falschen Seite befinde.
"Sehr geehrter Herr Buhrow,nach dem unschönen Eklat um die Ausstrahlung der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“, scheint sich der WDR beim Thema Antisemitismus wiederholt auf der falschen Seite zu positionieren."
Dann unterstellt sie dem WDR, "dass mit meinen Geldern Judenhasser subventioniert werden" und nennt Roger Waters einen "leidenschaftlichen Antisemiten", der "internationale Künstler massiv unter Druck" setze, appelliert an Buhrow, dass er "die Gebühren der GEZ Zahler nicht missbrauchen" möge, droht diesem alsdann, "Antisemitismus ist kein Kavaliersdelikt", unterstellt "wenn Sie Juden in Deutschland schon nicht schützen wollen" und fordert schliesslich "dann unterstützen Sie wenigstens deren Feinde nicht!"

 Die Reaktion Buhrows und des WDR auf diesen für Malca Goldstein-Wolfsche Verhältnisse in Ausdrucksweise und Ton eher moderaten Brief veblüffte dann doch sehr. Der WDR beendete auf Weisung Buhrows die Zusammenarbeit mit Roger Waters unverzüglich.

 Die Bild veröffentlichte die Mail Buhrows an Goldstein-Wolf, die diese auf ihrem Facebookaccount online gestellt hatte. Darin schlägt Buhrow einen Ton an, der mit unterwürfig nur sehr unzureichend beschrieben ist:
"Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf, 
vielen Dank für Ihre Mail und Ihre ehrlichen Worte, die mich berühren. 
Ich spüre, dass nicht viele Worte und Argumente Sie überzeugen werden, sondern nur eine eindeutige Handlung. Die gebe ich Ihnen, denn mir ist wichtig, dass Sie mir glauben, wie wichtig mir Ihr Empfindungen sind. Deshalb komme ich Ihrer Bitte nach: Die Zusammenarbeit für das Konzert ist beendet. 
Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf, ich bitte Sie um Vertrauen in Ihren WDR - jetzt und in Zukunft - und wünsche Ihnen persönlich alles Gute. 
Mit freundlichen Grüßen Tom Buhrow 
Westdeutscher Rundfunk Intendant"
 Wie ein Untergebener, eher schon wie ein geprügelter Hund, gegenüber einer zu Tobsuchtsanfällen neigenden Vorgesetzten, bedankt sich Buhrow bei Goldstein-Wolf für die rüde Zurechtweisung, die sie ihm zuteil werden ließ. erklärt dann kurz seine Kapitulation (bei autoritären Chefs  oder Rudelführern fruchten keine Argumente) und kündigt umgehenden Verzug, der angemahnten Handlung an. Allerdings handelt Buhrow nicht Aufgrund innerer Einsicht, sondern buckelt "mir ist wichtig, dass Sie mir glauben, wie wichtig mir Ihr Empfindungen sind". Dabei verwendet er zweimal das Wörtchen wichtig. 1. ist ihm wichtig, dass Malta Goldstein-Wolf ihm glaubt und 2. sind ihm ihre "Empfindungen" "wichtig". Und so, als hätte er es bei Malca Goldstein-Wolf mit einer Anteilseignern des WDR zu tun, bittet er sie "um Vertrauen in ihren WDR". Wie der Treueschwur einer ewigen Verbundenheit klingt dann das "jetzt und in Zukunft".

 Buhrow, wohl einer der mächtigsten Männer der Öffentlich-Rechtlichen, ist sichtbar eingeschüchtert. Er nimmt die Unterwerf-Haltung ein - auf dem Rücken liegend, alle Viere von sich streckend und dem beisswütigen Asphaltier die ungeschützte Kehle darbietend.

Angesichts dieser demütigen Unterwerfungserklärung Buhrows klingt die Antwort Goldstein-Wolfs geradezu wie Hohn und Spott.
"Die Petition hat Früchte getragen, der WDR präsentiert das Kölner Konzert von Waters nicht mehr.Danke Tom Buhrow für Ihre klare Haltung gegen Antisemitismus, Respekt!"
Der brave Untergebene hat geliefert, was von ihm verlangt wurde. Dafür wird er belobigt und steht nun für die nächste Medaillenverleihung bereit.

 Wer bis hierher tapfer durchgehalten hat, dem möchte ich die Frage stellen, ob eine Gesellschaft in der Macht und Reichtum mehr gelten und mehr Einfluss haben als das freie Wort, in der immer häufiger Gedanken zu Tabus erklärt werden und in dem Andersdenkende stigmatisiert werden, sich noch frei und demokratisch nennen darf? Die Worte Rosa Luxemburgs:
"Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden",
haben heute mit Sicherheit noch die gleiche Relevanz wie zu Zeiten des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Meinungen und Ansichten der Anderen mögen uns nicht gefallen, wir mögen sie für falsch und oftmals auch gefährlich halten, aber wir müssen uns ihnen mit Argumenten entgegegen stellen. Wir mögen manches Mal verzweifeln ob der Uneinsichtigkeit unseres Gegenüber. Aber wenn wir aufgeben, wenn wir uns der Machenschaften der Antidemokraten bedienen, sind wir nichts weiter als ebenfalls Antidemokraten.  Es mag verlockend erscheinen, den einfachen Weg der Tabus und der Verbote zu gehen aber wenn wir keine Argumente mehr haben, dann haben wir Unrecht.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Der Russe kommt

 Oh Röpcke, Röpcke, Röpcke wohin soll das mit ihnen noch führen? Die Artikel immer schlechter und die Lügen immer dreister. "I'm a real Journalist"-Röpcke langweilt sich. Kein Mensch interessiert sich noch für die Dummheiten der Ukrainischen Putsch-Regierung, der Krieg in Syrien ist zunächst einmal so gut wie beendet und die aktuellen Themen? Darüber schreibt sein Chef Julian Reichelt selbst. Was bleibt da noch? Richtig - der Russe!

 Aber was soll man da noch schreiben? Alles schon mal da gewesen: Der Putin annektiert die Krim, führt Krieg in der Ostukraine, ermordet seine politischen Gegner, massakriert unschuldige Kinder, filmt den Trump, wie er sich in einem Moskauer Hotelzimmer von Nutten anpissen läßt, mischt sich in die Wahlen von den USA, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, dem Volksentscheid über den Brexit und über die Unabhängigkeit Kataloniens ein, macht Trump zum Präsidenten der USA...

 Da ist kaum noch was drin. Das Thema ist praktisch ausgelutscht. Helfen würde ein richtig schöner Krieg, in dem die Slawen sich zunächst einen Vorteil verschafft haben, weil sie dem verschlafenen Westen jahrelang eine gewisse Friedfertigkeit vorgegaukelt haben, aber dann  doch noch ordentlich verdroschen werden.

 Was aber tun? Obwohl der Westen seit mehreren Jahren, Putin mehr oder weniger dazu einläd die drei baltischen Staaten Litauern, Lettland und Estland militärisch zu überfallen und sie wieder Russland einzuverleiben, rührt dieser sich nicht und verschmäht den ihm auf dem Silbertablett servierten vergifteten Happen.

 Wie oft haben wir in den letzten Jahren lesen müssen, wie hilf- und schutzlos das Baltikum bei einem russischen Angriff wäre, das es praktisch nicht zu verteidigen wäre, wie leicht die Beute zu greifen sei. Weit unterlegen die Feuerkraft der Nato, Mängel beim Kriegsgerät, nationale Egoismen verhindern eine effektive Rüstung, bürokratische Hürden verhindern einen raschen Nachschub, Verkehrswege für schweres Kriegsgerät zu schmal, Brücken zu schwach und nicht zuletzt die zögernde zaudernde Politik die sich allzugern den Forderungen der feigen, ängstlichen Zivilisten beugt.

 Was für ein Fest müsste es für Putin sein, mit seinen unbezwingbaren Kampfmaschinen, gesteuert von schlitzäugigen, den, ihr Herkunft als Slawen bezeugenden, hohen Wangenknochen, das Baltikum zu überfallen, Frauen zu schänden, Alte und Kinder zu massakrieren und alles in eine wüste Steppe zu verwandeln, gleich jener aus der sie selbst hervorgegangen sind. Aber der rührt sich nicht.

 Aber wenn Putin schon keienen Krieg vom Zaun bricht, wie wäre es, wenn er einen plant und dafür seine slawischen Kampfroboter schon mal üben läßt? So ist ja bekannt, dass das Kaninchen oftmals schon beim Anblick der Schlange tot umfällt, weshalb die Schlange gar nicht mehr zubeißen muß. Wenn also die Schlange partout nicht zubeißen will, dann könnte es doch schon reichen, dem Karnickel die Schlange zu zeigen.

 Flugs erfand der Röpcke also zwei Geheime, die ihm angeblich die Story von den heimlich, während des Manövers "Sapad 2017", für einen umfassenden Krieg, nicht nur gegen das Baltikum, sondern gegen ganz Europa übenden Russen erzählten:
"BILD sprach jedoch unlängst mit zwei führenden Experten eines westlichen Geheimdienstes. Sie enthüllten, dass Sapad 2017 weder eine „Anti-Terror-Übung“ noch „rein defensiv“ gewesen sei, sondern eine „Trockenübung“ für einen „vollständigen konventionellen Krieg gegen die Nato in Europa“.
 (Verzeihung liebe Bildzeitung, wer soll euch denn die Geschichte von den zwei Schlapphüten, noch dazu "führende Experten" abnehmen, die so dämlich sind, ihr geheimes Wissen ausgerechnet der Bild anzuvertrauen, von der jeder Mensch weiß, das nicht einmal ihre eingeschworensten Leser ihr auch nur ein Wort glauben. Wollten sie die Welt warnen, ihr geheimes Wissen anvertrauen, so hätten sie ein Medium gewählt, dass in dem Ruf steht, wenigstens ab und an noch seriös zu berichten.)

Nun schon einmal erfunden mussten die zwei Geheimen gleich mal ihr gesamtes Wissen auf den Tisch der Bildzeitung legen:
"Laut der Geheimdienstquellen wurden dabei die Eroberung der baltischen Staaten (und Weißrusslands) sowie eine „Schockkampagne“ gegen westeuropäische Nato-Staaten wie Deutschland und die Niederlande, aber auch Polen, Norwegen und die neutralen Staaten Schweden und Finnland geprobt."
Der Werbeslogan US-amerikanischer und Ostasiatischer Reiseunternehmen "Europa in drei Wochen" bekommt da plötzlich eine ganz andere, beklemmende Bedeutung, von der Bildzeitung griffig formuliert:
"Die Eroberung der baltischen Staaten in wenigen Tagen".
Warum, fragt sich der mit ein wenig Verstand ausgestattet Mitteleuropäer und notabene auch die Mitteleuropäerin, sollte Russland die baltischen Staaten erobern wollen? Weder Litauen noch Lettland oder Estland verfügen, ausser über etwas Bernstein, mit dem die Russen selbst aus den eigenen Lagern ihre Wände tapezieren können, über irgendwelche Bodenschätze, auf die Russland ein Auge hätte werfen können. Sie sind klein und unbedeutend, und wie die EU zur Zeit schmerzlich erfahren muss, äußerst renitent. Was will Putin damit? Ganz im Gegenteil: Das Baltikum würde Putin wie Blei an den Füssen hängen.

Die Antwort zeigt die überaus eingeschränkten geistigen Fähigkeiten, die hinter den beiden Schlapphüten der Bild stecken:
"Den beiden Quellen zufolge probten die Kreml-Streitkräfte, die „aus russischer Sicht verwundbarste Region der Nato“ zu erobern – die drei baltischen Staaten."
Das hat etwas von dem frühkindlichen "Haben wollen" und zwar nur deshalb, weil der Kumpel im Sandkasten das Förmchen gerade in der Hand hat.

 Die ganze Sache braucht etwas Fleisch. Also erfindet man eine "Operation Suwalki-Lücke", so was wie "Operation Barbarossa":
„Dazu müsste schnell die Operation Suwalki-Lücke umgesetzt werden“.
Zur Erklärung: Die Suwalki-Lücke ist ein Nato-Begriff, der die ca. 65 km Luftlinie lange Landbrücke von Polen nach Litauen bezeichnet, die sich zwischen der russischen Enklave Kaliningrad, das frühere Königsberg, und der Grenze zu Weißrussland erstreckt.

 Auf die Idee, dass hier die beste Stelle ist, um sich das Förmchen zu krallen, hat die Russen das Schwesterblatt der Bild, "Die Welt" schon vor über einem Jahr gebracht. Die titelte nämlich am 9. Juli 2016:
"Die „Lücke von Suwalki“ ist die Achillesferse der Nato"
Die an Landesverrat grenzende Veröffentlichung von geheimen Erkenntnissen aus den Nato-Denkfabriken verdankte das Blatt damals einigen überaus geschwätzigen Natogenerälen:
"Auch die westlichen Militärs in Warschau machen keinen Hehl daraus, dass vor allem das Baltikum im Ernstfall nicht zu halten ist. Ein Blick auf die Karte macht deutlich, warum. Es geht um die einzige Landverbindung zwischen Polen und Litauen, einen schmalen Korridor, den die Nato-Strategen für den labilsten Teil des Bündnisgebietes halten. Diese sogenannte Lücke von Suwalki, benannt nach einer Stadt im Nordosten Polens, ist nur rund 100 Kilometer breit, stößt im Norden an die russische Exklave Kaliningrad, im Süden an Weißrussland, einen engen militärischen Verbündeten Moskaus."
 Seither, so lassen uns immer wieder in unregelmässigen Abständen erscheinenden Presseberichte vermuten, hat der Russe nicht nur eines seiner gierigen Augen auf das Baltikum und die Lücke von Suwalki geworfen. Etwas stutzig macht allerdings die von den zwei Bild-Geheimen übermittelte Begründung der Russen für diesen kriegerischen Akt. Irgendetwas muss Putin falsch verstanden haben in dem Bericht der "Welt", will er doch die Lücke von Sulwaki militärisch besetzen,
"um Polen und jegliche Verstärkung der Nato aus Litauen abzuschneiden."
Irgendwie scheint der Herr des Kreml Polen von irgendetwas oder irgendwem abschneiden zu wollen und auch die Verstärkung der Nato, so scheint er zu vermuten kommt nicht etwa aus ihrem Kerngebiet, den USA, Kanada und Westeuropa, sondern aus dem kleinen Litauen. Sollte Putin also annehmen, die Nato habe ihre gesamten Reseven in Litauen deponiert und verstärke sich bei Bedarf einzig und allein aus diesem Land, so macht ein Angriff und eine Eroberung des Baltikum natürlich wieder Sinn (oder sollte man den Ganzen Schwachsinn lieber Widersinn nennen).

 Aber es kommt noch besser. Die Phantasie des Julian Röpcke scheint schier unerschöpflich und unerfindlich dämlich:
"Genau das hat Russland auch getan und den künstlichen Staat „Veyshnoria“ genau an der Stelle der 40 Kilometer langen Landbrücke zwischen Polen und Litauen eingerichtet (jedoch auf weißrussischem Territorium)."
Geben sie sich keine Mühe. Auch nach mehrmaligem lesen ergibt der Satz keinen Sinn. Da dringt der Pferdefüssige mit seinen slawisch Heerscharen in die zwei Natoländer Polen und Litauen ein um "den künstlichen Staat Veyshnoria genau an der Stelle der 40 Kilometer langen Landbrücke zwischen Polen und Litauen" einzurichten - aber dann doch nicht wirklich?  ...sondern auf weissrussischem Territorium?

 Was ist mit Röpcke? Nimmt er Drogen? Halluziniert er? Spielt er auf seinem Dienst-PC zu viele Ballerspiele, die ihm eine andere Realität vorgaukeln? Glaubt er gar seine eigenen Geschichten? Wir machen uns Sorgen, bildete er sich doch vor Zeiten schon einmal ein, "a real Journalist" zu sein.



 Röpckes Fantasie scheint unerschöpflich, sicher mit ein Grund, dass er von Reichelt in die Redaktion  der Bild geholt wurde. Kann er doch ansonsten mit keinerlei Qualifikation glänzen. Aber er besitzt scheinbar die Fähigkeit, sich in seine Stories hineinzusteigern. Das treibt ihn dazu seine eigentlich dünnen Geschichtchen mit immer mehr Beiwerk auszuschmücken. So setzt er dann schon mal Sätze zwischen Anführungsstriche, so als seien sie genau so gesprochen worden. Das soll Authentizität vortäuschen, haucht den erdachten Geheimen ein wenig Leben ein:
"Gleichzeitig probte Russland, 'Flugplätze und Häfen (der baltischen Staaten) zu naturalisieren oder unter seine Kontrolle zu bringen, damit dort keine Verstärkung aus anderen Nato-Ländern eintreffen kann'“. 
Was das sein soll "Flugplätze und Häfen zu naturalisieren", diese Erklärung bleibt uns Röpcke schuldig. Klingt aber so wunderbar martialisch: Naturalisieren - dem Erdboden gleichmachen, das Gebiet in seinen Urzustand zurückversetzen mit Bomben und Granaten. Da ist Röpcke, der sich zu den Hochzeiten des Syrienkrieges den Spitznamen "Jihad Julian" ehrlich verdient hatte, ganz in seinem Element - plattmachen, ausradieren, liquidieren, naturalisieren.

 Aber der Antwort auf die Frage, was die Russen nun im Baltikum wollen könnten, haben wir uns immer noch nicht einen Millimeter genähert. Einzig die "Sandkasten - Förmchen-Theorie" steht im Raum. Unterstrichen wird sie von den zwei Geheimen, die in der Bild inzwischen zu Experten (Experten für was?) mutiert sind:
"Die Experten betonten, dass es sich dabei im Notfall in den ersten paar Tagen um eine rein militärische Operation handeln würde. 'Das heißt, man muss keine Länder besetzen und ‚Volksrepubliken’ ausrufen oder ähnliches, sondern die Häfen, Flughäfen usw. besetzen'."
Also noch einmal: Russland überfällt das Baltikum, macht Flughäfen und Häfen platt "naturalisiert" sie und weiß dann nicht so recht, was man nun mit den neu gewonnene Territorien anfangen soll. Besetzen will man sie nicht, "Volksrepubliken" "oder ähnliches" will man auch nicht daraus machen. Russland, so sagen die "Experten" wollen einfach nur ein bisschen besetzen spielen. Also: Sandkasten - Förmchen-Theorie".

 Was es allerdings mit dem "Notfall" auf sich hat, in dem sich die russischen Occupanten laut Aussage unserer "Experten", befinden, bleibt völlig rätselhaft.

 Ergo, noch ist das erste Rätsel nicht endgültig gelöst, tut sich schon das nächste auf. Röpcke jedoch trägt nichts dazu bei diese Rätsel zu lösen. Er macht derweil ein neues, noch viel größeres Fass auf:
"Übung zur Bombardierung Westeuropas, vor allem Deutschlands".
 Nun ist die Katze aus dem Sack. Der Russe, unsere Altvorderen haben es ja schon gewußt, aber durch das laissez Fair der letzten Generationen ist dieses alte Wissen verschüttet worden, strebt die Weltherrschaft an:
"Die Geheimdienstquellen enthüllten, dass „an zwei Tagen die Fernfliegerkräfte der russischen Luftwaffe an der Übung teilnahmen und Simulationsflüge über der Ost- und Nordsee durchführten. Sie probten die Bombardierung westeuropäischer Ziele und näherten sich der deutschen und dänischen Küste von der Nordsee aus sowie von der Ostsee aus dem schwedischen, finnischen und polnischen Festland. Zu der Übung gehörten aus dem strategischen Bomber Tu-95 sowie Schlachtflugzeugen, wie etwa Jagdflugzeugen und Tankflugzeugen, bestehende Angriffswellen“.
Zunächst die paar schiddrigen Flughäfen und Häfen im Baltikum "naturalisiert" und dan ran an die Filetstückchen in Deutschland, Holland, Schweden, Finnland und Polen. Vor lauter Schrecken gerät Röpke der letzte Satz dermassen durcheinander, dass er gänzlich unverständlich bleibt. Aber "Schlachtflugzeugen" klingt so unheimlich gut. Es riecht förmlich nach zigtausendfachem Tod, nach "naturalisieren", wobei wir wieder beim Spezialthema des Julian Röpcke wären.

Wie knapp wir einer Katastrophe wirklich entkommen sind, zeigt die Tatsache das:
"Diese Bomber"zwar "den Abschuss von Raketen und Marschflugkörpern" probten, aber zum Glück und aus einem, für Röpcke völlig unerfindlichem Grund:
"Sie kehrten zu ihren Stützpunkten zurück, bevor sie die Küsten von Nato-Mitgliedsstaaten erreichten."
Dafür aber weiß er dank der zwei Trenchcoat-Träger im Dunklen der Anonymität, dass:
"Im wirklichen Fall würde zu ihren Zielen „die kritische Infrastruktur gehören, also Flugplätze, Häfen, die Stromversorgung usw., um die entsprechenden Länder in einen Schock zu versetzen, so dass die Bevölkerung von ihrer Regierung verlangt: ‚Wir sollten uns nicht einmischen und uns lieber um Frieden bemühen’."
 Schon wieder so eine Nullnummer, die die Russen da geprobt haben. Würden sie die westlichen Länder aufmerksam beobachten, dann wüssten sie, dass es keineswegs des hohen und risikoreichen Aufwands eines Angriffs auf "kritische Infrastruktur ...also Flugplätze, Häfen, die Stromversorgung usw." bedarf, damit die "Bevölkerung von ihrer Regierung verlangt: ‚Wir sollten uns nicht einmischen und uns lieber um Frieden bemühen’." Ausser den paar berufsmässigen Kriegstreibern in der Presse und der Politik ist der überwiegende Teil der Bevölkerung - übrigens Herr Röpcke aufgemerkt - nicht nur Westeuropas, schon längst der Auffassung, dass wir "uns lieber um Frieden bemühen" sollten, statt der Rüstungsindustrie unser sauer verdientes Geld in den gierigen Rachen zu werfen.

 Aber daran, dass das nicht so bleibt und die viel zu friedfertigen Bürger wieder eine schöne Militärparade, zum Beispiel am, in Heldengedenktag umbenannten Volkstrauertag, schätzen lernen oder an Orden und Ehrenzeichen für ein von Granaten zerschmettertes Bein, einen abgetrennten Arm, den Verlust des Augenlichts oder den Tod eines Kindes, Gefallen finden, daran arbeitet der Julian Röpcke. Dazu dienen seine Experten "eines westlichen Geheimdienstes".

 Diese Figuren, die so geheim sind, dass Röpcke uns sogar über ihre Herkunft, den Geheimdienst für den sie arbeiten, ja sogar über ihre physische Existenz im Zweifel läßt, spielen dabei eine höchst existente Rolle. Sie verkauft uns Röpcke als geradezu allwissend. Sie scheinen direkt aus dem Zentrum, dem Herzen der Finsternis, dem Kreml in Moskau zu berichten. Sie geben zum erstmal einen kleinen Zipfel des großen Geheimnisses, warum Russland das Leben vieler tausender oder gar Millionen Menschen opfern sollte für ein paar Quadratkilometer nutzloses Land preis:
"Den Quellen zufolge könnten diese riskanten Manöver (über der Nordsee) zeigen, dass Russland 'Angriffe zur Machtdemonstration' geplant habe, die tief in den westlich beherrschten Luftraum eindringen."
Uns gefriert das Blut in den Adern. Die Russen gefährden das Leben von Millionen von Menschen, ja die Existenz unserer Erde, nur um uns ihre Macht zu demonstrieren. So, als wenn wir nicht schon lange wüssten, dass die Hasadeure an den Hebeln der Macht in der Lage sind, uns alle, die gesamte Menschheit, zu jeder Zeit und wann immer ihnen danach ist, nicht nur zu Asche zu verbrennen, sondern uns in unsere Elementarteilchen zu zerlegen.

 Aber solche Überlegungen sind nicht in Röpckes Sinn. Er will uns Glauben machen, dass wir diese blutrünstigen Bestien, die uns unser Förmchen entreissen wollen, nur hin und wieder kräftig auf die gierigen Pfoten hauen muss, dann ist und bleibt alles gut. Darum nennt uns die geheime Macht, die Julian Röpcke besuchte und gleich der immer wieder in Gerüchten auftauchenden Ufos sich in Luft auflösen und entschwinden ohne ein Spur zu hinterlassen auch ein paar Fingerklatscher, die wir doch mal versuchen könnten, um die Russen zu testen:
"Die Quelle nannte auch Ereignisse, die KEINEN Krieg auslösen würden, wie etwa ein Nato-Beitritt Schwedens oder Finnlands. 'Sie drohen mit militärischen Maßnahmen, sollten diese zwei Länder der Nato beitreten, aber wir glauben nicht, dass dies ihre rote Linie ist'. Nicht einmal eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Russland in Syrien würde einen Krieg gegen die Nato auslösen, meint die Quelle. 'Schlimmstenfalls würden sie sich wohl zurückziehen, aber das würde zu keinem Krieg in Europa führen'."
 Also ihr Kameraden in Olivgrün, die ihr in Syrien die Koalition der Willigen gegründet habt, jetzt da der IS besiegt, die irakischen und syrischen Zivilisten nicht mehr leben, wäre es doch ein lohnendes Ziel, die Russen ein wenig zu vermöbeln.

 Die gleichen Russen, die bereit sein sollen einen Krieg mit der Nato in Europa zu beginnen für ein Stück sandige Ostseeküste, würden sich in Syrien bestimmt nicht wehren? Das hat allerdings nur eine gewisse Logik, wenn man glaubt weiterhin Spielchen spielen zu können wie in der Ukraine, in Georgien und Moldawien. Hasadeure - siehe oben.

Nachtrag:

Wer nun glaubt, das sei ja alles eher lustig, ein kleiner Tunichtgut bei der Bildzeitung rede Stuss und sei nicht weiter ernst zu nehmen, der täuscht sich gewaltig. Ein kurzer Blick auf  gewisse Kreise bei Twitter zeigt, dass hinter solchen Lügengeschichten durchaus ein ernstzunehmdes Kalkül steckt. So wurde der Beitrag beispielsweise von Alex Kokcharov retweeted. Kokcharov ist bei dem weltweit agierenden Beratungsunternehmen IHS Markis verantwortlich für die "Analyse von Russland, der Ukraine, Belarus, Moldawien, Armenien und Tadschikistan". IHS berät nicht nur Unternehmen, sondern auch Regierungen. Laut Twitter gefällt Kokcharov nicht nur der Blödsinn des Julian Röpcke, sondern auch Meldungen wie diese:
"NATO OPENS NEW MOLDOVA OFFIC"
Da findet man dann Sätze wie :
"'Die NATO beobachtet die uneingeschränkte Neutralität, Unabhängigkeit und Souveränität Moldaus', sagte Rose Gottermoeller, stellvertretende Generalsekretärin der NATO. 'Der Nordatlantische Block arbeitet mit anderen neutralen Staaten zusammen, darunter mit Schweden, Finnland und der Schweiz sowie mit Ländern, die enge Beziehungen zu Russland haben, wie Armenien. Neutralität bedeutet nicht, dass wir keine starken Partner sein können'." 
oder:
"Laut Pavel Filip, dem moldauischen Ministerpräsidenten, sichert die Existenz des Büros in der Republik Moldau eine Neuordnung der bilateralen Aktivitäten gemäß den Zielen des Aktionsplans der Moldau-NATO-Partnerschaft für 2017-2019." 
 Wie war das doch noch mit den Spielchen in Moldavien?

Auch der Militär-, Rüstung- und Natoexperte der ARD, Christian Thiel, hat Röpckes Erguss retweeted. Thiel ist glühender Verfechter einer stärkeren Aufrüstung des Westens und dabei hauptsächlich der Bundeswehr. Woher der geistige Wind bei dem Herrn Experten weht, konnten die Zuschauer der ARD-Tagesthemen am 15. Februar 2017 bewundern.

 Mit militärisch exaktem Kurzhaarschnitt saß da Christian Thiels vor der Kamera und trommelte erbarmungslos für mehr Umsatz für die Rüstungsindustrie:
"Die Bundesrepublik hat vor vielen Jahren versprochen 2 Prozent des Bruttoinlandprodiktes für die Verteidigung aufzuwenden. Derzeit sind es gerade einmal 1,2 Prozent. Der überschaubare Zuwachs im Wehretat reicht gerade einmal um die schlimmsten Löcher zu stopfen. Die Modernisierung der Bundeswehr jahrzehntelang verschlafen. Das muss sich nun ändern....Die stärkste Wirtschaftsmacht Europas muss auch militärisch nachlegen. Sie muss in Führung gehen."
 Das sind sie, die Zutaten aus denen man Kriege backt: Machtspielchen und Provokationen vor Moskaus Haustür und eine zügellose Hochrüstung, die Ängste und Aggressionen schürt.